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Leitartikel November 2009

Nachhaltigkeit - auch ein Thema für den Obstbau?

Konsumenten ziehen in ihre Kaufentscheidungen immer häufiger ökologische und soziale Aspekte ein. So wird beim Kauf eines Kastens Krombacher Pils gleich in eine Parzelle Regenwald investiert und das Holzparkett ist aus nachhaltigem Waldbau. Außerdem wüsste man gerne, wie viel CO2 für die Produktion und den Transport von Lebensmitteln freigesetzt wird. Und über allem steht die intensive Diskussion der Öffentlichkeit über die gesellschaftliche Verantwortung von Produzenten und Unternehmen.

So steht auch der kontrolliert Integriert produzierende Obstbau heute vor vielschichtigen Herausforderungen. Und eine davon heißt eben Nachhaltigkeit. Kaum ein anderes Thema treibt derzeit Kundenanforderungen so stark an wie dieser Schlüsselbegriff. Verbraucher, Politik, Kunden und Medien begeistern sich für Produkte, die erfolgreich platziert sind und dabei begrenzte Umweltressourcen effizienter als andere nutzen.

In den Leitlinien, Profilen oder in der Unternehmensphilosophie wird das nachhaltige Handeln verankert. Auch und vor allem im Lebensmitteleinzelhandel. Nicht nur deshalb wird auch die Obstbaubranche immer stärker mit dem Thema Nachhaltigkeit konfrontiert. Es bedarf entsprechender Maßnahmen, um auch im Obstbau eine nachhaltige Entwicklung sicherzustellen. Lesen Sie dazu auch das Interview mit Dr. Michael Gerhard auf Seite.585!

Aber warum sollte der Obstbau sich mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen?

Ökonomisch, ökologisch und sozial - diese drei Säulen zeichnen eine nachhaltige Entwicklung aus. Im Obstbau umfasst sie neben der Erzeugung von Lebensmitteln auch den Schutz der Umwelt und den Erhalt der Biodiversität. Nachhaltigkeit bedeutet, dass die Bedürfnisse der heute lebenden Menschen befriedigt werden können, ohne die Möglichkeiten kommender Generationen zu beeinträchtigen, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen.

Kann der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nachhaltig sein?

Diese Frage ist nicht nur zu bejahen! Nachhaltiger Obstbau ohne Pflanzenschutz ist überhaupt nicht machbar! Werden die umfassend erforschten und nach angemessenen Kriterien zugelassenen Pflanzenschutzmittel gemäß den Grundsätzen der Integrierten Produktion angewendet, unterstützen sie die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung im Obstbau und in der Landwirtschaft. Sie tragen mit vertretbaren Auswirkungen auf die Umwelt zu höheren und sichereren Ernten und hochwertigen Qualitäten bei. Weil durch ihren Einsatz pro Kilogramm Erzeugnis weniger Fläche, Energie und Wasser benötigt werden, steigern chemische Pflanzenschutzmittel die Effizienz auch im Obstbau. Die verfügbare Landfläche ist begrenzt, Energie ist teuer und die Wasservorräte sind regional knapp.

Die Ergebnisse der Ökoeffizienzanalyse, die wir gemeinsam mit der Firma BASF erarbeitet haben, belegen, dass der kontrolliert Integrierte Anbau von Obst hier bei uns in Deutschland ein Grundstein für eine nachhaltige Zukunft ist. Daneben wird sichtbar, dass Regionalität am effizientesten ist!

Die Analyse stellt uns wissenschaftliche Fakten zur Verfügung, mit denen wir emotional gesteuerten Argumenten einer beginnenden gesellschaftspolitischen Diskussion nicht nur begegnen können. Wir haben hiermit ein Instrument zur Verfügung, die Diskussionen aktiv mitzugestalten. Wichtige Inhalte unserer Arbeit werden einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und transparent gemacht. Es ist nun unsere Aufgabe als Fachverband, dieses Instrument im Sinne des deutschen Obstbaus zu nutzen. Und zwar nachhaltig!

Die Verbraucherinnen und Verbraucher gehen sehr sensibel mit Fragestellungen zur ökologischen Nachhaltigkeit um. Wir Obstbauern und unsere kontrolliert Integrierte Produktion stehen für Nachhaltigkeit. Deshalb nehmen wir die Herausforderungen der gesellschaftlichen Diskussion an. Durch unsere langjährige Vorarbeit sind wir bestens gerüstet!

Gerhard Kneib

Jörg Disselborg

Vergangene Leitartikel aus dem Jahr 2009:

AUSGABE 11/2009
Titelbild OBSTBAU