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Leitartikel Oktober 2009

Vermarktung 2009 - Preissituation und Marktverlauf gleichen einer Katastrophe

Die Preise auf den Obstmärkten kennen zurzeit scheinbar nur eine Richtung: die nach unten. Die Auszahlungspreise bei Sauerkirschen ließen bei Abzug der Pflückkosten keinen aus-reichenden Deckungsbeitrag zu. Die Auszahlungspreise für Zwetschen waren schlecht bis nicht kostendeckend. Von einem unternehmerischen Gewinn lässt sich nicht annähernd sprechen.

Die Ausgangssituation für die diesjährige Kernobstsaison ist ebenfalls denkbar ungünstig. Der Lebensmitteleinzelhandel reagiert gleich zu Saisonbeginn mit Aktionen und Preisnachlässen auf ein Überangebot. Dieses setzt sich aus Äpfeln der vorangegangenen europäischen Ernte, aus Äpfeln der südlichen Hemisphäre und bereits neuerntigen Äpfeln aus Europa zusammen. Die Preise für Industrieäpfel sind komplett ins Bodenlose gefallen. Wir müssen demnach mit geringeren Anliefermengen von Industrieobst und folgend mit höheren Lagermengen an minderwertiger Tafelware rechnen. Diese Ware kann die Absatzkanäle des Frischmarktes weiter verstopfen.

Diese Situation kann niemanden kalt lassen:

  • Den Erzeugern fehlt Geld für notwendige und geplante Investitionen. Sie sind so gezwungen, noch kostensparender zu arbeiten
  • Die Erzeugerorganisationen müssen auf einem engen Markt mit geringen finanziellen Spielräumen agieren
  • Der Lebensmitteleinzelhandel profiliert sich zwar gerne mit dem guten Namen der deutschen Produktion, am Ende sind die Herkünfte jedoch austauschbar. Aber Tiefstpreise erzeugen keine Steigerung der Nachfrage
  • Der Verbraucher agiert mit der Geiz ist Geil- Taktik und verlangt trotzdem Produkte höchster Qualität

Es ist klar, dass die Bausteine Vertrauen, Transparenz und Informationen immer wichtiger werden. Dazu benötigen wir auch dringend eine tragfähige Lösung für den Wegfall der CMA. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen ab frühester Kindheit "befruchtet" werden. Nur wer säät, kann auch ernten. Deshalb muss das Wissen um den Gesundheitswert von frischem, regionalem Obst transportiert und multipliziert werden.

Schulobstprogramm als Chance begreifen

Das von der EU geförderte Schulobstprogramm ist ein Projekt mit einem hohem Erfolgswert, das nach einem einfachem Prinzip funktioniert: Die Schulen werden mit frischem Obst und Gemüse beliefert, dass dann an die Schüler verteilt wird. Zusätzlich wird in den Schulen mit Informationen und Begleitprogrammen auf die Bedeutung von Obst und Gemüse in der Ernährung hingewiesen. Dies kann nachhaltig zu mehr Verbrauch führen! Lange Zeit stand das Gesetz auf der Kippe, weil sich Bund und Länder über die Finanzierungszuständigkeit nicht einigen konnten. Mit dem nun verabschiedeten Gesetz zur Durchführung gemeinschaftsrechtlicher Vorschriften über das Schulobstprogramm obliegt die Finanzierungszuständigkeit für die erforderliche nationale Kofinanzierung bei den Ländern.

In diesem Zusammenhang fordern wir die Landesregierungen auf, schnellstmöglich ein Finanzierungskonzept vorzulegen und das Programm im Sinne einer guten Ernährung unserer Schulkinder umzusetzen.

Das Schulobstprogramm kann nicht die eine Lösung aus der Misere sein. Es muss auch mehr Informationsaustausch unter den Anbauern geben. Wir müssen mehr miteinander reden, kommunizieren und voneinander lernen. Unsere Seminare und Beratertagungen sind hierzu ein besonders konstruktiver Weg. Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Grünberger Seminare schätzen das Informationsangebot und den so wichtigen Erfahrungsaustausch. Deshalb, auf nach Grünberg!

Gerhard Kneib

Jörg Disselborg

Vergangene Leitartikel aus dem Jahr 2009:

AUSGABE 10/2009
Titelbild OBSTBAU