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Leitartikel Juni 2009

NEPTUN - Risikoabschätzung - Nachwuchsförderung - Pflanzenschutz

Aktuelle Probleme im Obstbau und die gemeinsame Suche nach Lösungsansätzen bestimmten die Vorstandssitzung der Fachgruppe Obstbau am 19. und 20. Mai in der Bildungsstätte Gartenbau, Grünberg.

"Die NEPTUN- Ergebnisse sind unverzichtbare Eckpfeiler der Diskussionen im Pflanzenschutz. Wir als Eigentümer der Daten beliefern die politischen Entscheidungsträger nicht nur mit Fakten aus der Praxis, sondern begründen diese auch und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Transparenz", erklärte Gerhard Kneib und leitete so den Vortrag von Dr. Dietmar Roßberg vom JKI-Institut für Folgenabschätzung im Pflanzenschutz ein. Dr. Roßberg stellte die Auswertung der 1.400 Datensätze des NEPTUN-Projektes 2007 vor und bedankte sich für die konstruktive Zusammenarbeit. Der Vorstand sprach sich einstimmig dafür aus, NEPTUN als Kerngerüst der zukünftig einzuführenden EU-Statistikverordnung zu verankern.

Dr. Volkmar Gutsche, ebenfalls vom JKI-Institut für Folgenabschätzung im Pflanzenschutz, stellte die Projektarbeit zu einem Expositionsmodell für Fließgewässer vor, welches auch aus Mitteln der Fachgruppe Obstbau finanziert wurde. Dieses Modell soll zu einer realitätsnahen probabilistischen Risikoabschätzung beim Pflanzenschutzmitteleinsatz im Obstbau führen. Für den Vorstand ergab sich folgendes Fazit: Obwohl alle wissenschaftlichen Erkenntnisse für die Probabilistik sprechen, wird sie nicht umgesetzt. Obwohl eine Verordnungsvorlage erarbeitet ist und alle Agrarminister der Länder bereits mehrfach die sofortige Umsetzung verlangt haben, geschieht nichts. Die Politik kann sich vor einer Entscheidung nicht mehr länger drücken!

Katharina Esser präsentierte dem Vorstand die Idee eines Netzwerkes junger Obstbauern. Ziel ist, den Berufsnachwuchs früh in die berufsständische Arbeit einzubinden. Die Koordinierung der Interessen junger Obstbauern soll zudem über die Einrichtung einer zentralen Kommunikationsplattform im Internet erreicht werden. Die Fachgruppe übernimmt gerne die ideelle Trägerschaft für dieses Netzwerk. Und dies nicht zuletzt, weil ein Zusammenbringen von Erfahrung und Neugier Basis für die Zukunftsgestaltung ist.

Die Situation bei der Genehmigung notwendiger Pflanzenschutzmittel nach §11 hätte in diesem Frühjahr nicht dramatischer sein können. Eine nervenaufreibende und anstrengende Situation für alle Beteiligten. Der unermüdliche Einsatz der Fachgruppe Obstbau, die konstruktive Zusammenarbeit mit den Fachberatern und die kooperative Haltung des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (BVL) haben letzlich zu einer befriedigenden Lösung beigetragen. Es bleibt die zwingende Aufgabe, Strukturen zur Lückenschließung zu schaffen damit auch in Zukunft die Produktion aller Kulturen in Deutschland möglich ist.

Auf Einladung von BMELV-Staatssekretärin Ursula Heinen hat am 14. Mai ein Runder Tisch stattgefunden. Ziel war es, Ansätze für eine koordinierte Kommunikationsstrategie zum Thema Pflanzenschutz zu finden. Eine effektive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bedeutet die Organisation von Kommunikation mit unterschiedlichen Zielgruppen nach innen und nach außen. Sie soll das Image des deutschen Obstbaus stärken und soll Vertrauen schaffen in unsere Leistungen. Denn: Nur wem man vertraut, dem glaubt man auch seine Argumente.

Der deutsche Obstbau und die staatlichen Behörden haben starke Argumente dafür, dass in der Produktion Qualität, Sicherheit und Naturschutz garantiert werden.

Gerhard Kneib

Jörg Disselborg

Vergangene Leitartikel aus dem Jahr 2009:

AUSGABE 06/2009
Titelbild OBSTBAU