Leitartikel März 2009
Zentrale Marktbeobachtung für den Obstbau unverzichtbar
Das Bundesverfassungsgericht hat am 03. Februar 2009 die Verfassungswidrigkeit wesentlicher Teile des Absatzfondsgesetzes festgestellt. Damit wurde die mit dem Gesetz geregelte Beitragspflicht zur Finanzierung der Centralen Marketing- Gesellschaft der Agrarwirtschaft (CMA) und der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) für nichtig erklärt. Die Gesellschafter der ZMP GmbH haben am 25.02.2009 beschlossen, dass das Unternehmen in eine geordnete Liquidation geht.
Wir bedauern diese Entwicklung, denn auch der deutsche Obstbau braucht dringender denn je eine starke gemeinschaftliche Absatzförderung durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit sowie eine effiziente Markt- und Preisberichterstattung. Ein organisiertes und effektives Fördersystem ist somit keine Option, sondern eine Notwendigkeit.
Informationen sind die wichtigste Grundlage betrieblicher und auch verbandspolitischer Entscheidungen. Wir leben in einem Informationszeitalter - ein Tastenklick am PC und die gewünschten Informationen stehen uns zur Verfügung! Dabei vergessen wir nur sehr schnell, dass jemand diese Informationen auch zusammengetragen, geordnet, gefiltert und bereitgestellt hat.
Zunehmende Marktorientierung erfordert eine solide Organisation
Informationen, Zahlen, Daten und Fakten aus Deutschland und dem Rest der Welt fliessen auch ohne die ZMP stetig weiter. Eine Interpretation und Aufarbeitung dieser Daten kann der einzelne Betrieb oder eine einzelne Erzeugerorganisation unmöglich leisten.
Als unabhängige und anerkannte Agentur hat die CMA eine entscheidende Rolle auch als Verteiler von Presseinformationen gespielt. Mit ihr verlieren wir ein wichtiges Kommunikationsmedium. Sinnvolle Konzepte sind nun gefragt!
Als Wirtschaft sind wir gemeinsam mit der Poltik gefordert, neue Konzepte und Finanzierungsmöglichkeiten für die Markt- und Preisberichterstattung und Absatzförderung zu entwickeln. Angesichts der Wirtschaftslage dürfen wir keine Zeit verlieren, damit für uns keine Wettbewerbsnachteile entstehen. Dies haben Verlage aus der Agrarwirtschaft erkannt und am 26.02.2009 eine Nachfolgegesellschaft gegründet. Als neue wirtschaftliche Einheit und als Dienstleister für die Agrarmärkte gibt es nun die Agrarmarkt Information (AMI) GmbH. Die neue Gesellschaft ist gewinnorientiert aufgestellt, Informationen werden also teurer. Marktinformationen werden reduziert auf vermarktbare Informationen, Aufträge aus der Wirtschaft und von staatlichen Stellen.
Bundesregierung muss Verantwortung übernehmen
Die Nachfolge der ZMP gibt es nun also. Es bleibt abzuwarten, welche Änderungen im Informationsmarkt auf uns zukommen. Unsere Aufgabe als Fachverband des deutschen Obstbaus ist es, die weiteren Entwicklungen zu beobachten und den politischen Druck aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig werden wir weiterhin nach Lösungen und Gestaltungsmöglichkeiten suchen, wie eine zentrale Kommunikationsagentur als Ersatz der CMA für den Gartenbau und die Landwirtschaft zukünftig strukturiert werden kann.
Von der Bundesregierung fordern wir ein klares Bekenntnis zur inländischen Land- und Ernährungswirtschaft. Es ist eine grundlegende Staatsaufgabe, und so sehen es auch unsere europäischen Nachbarn, alle Anstrengungen zur Absatzförderung auch finanziell zu unterstützen.
Wir erwarten von unseren Trägerverbänden als Gesellschafter der AMI, dass die Anforderungen des Obst- und Gemüsebaus an die Datenqualität auch in der personellen Besetzung der Gesellschaft Berücksichtigung finden.
Gerhard Kneib
Jörg Disselborg
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AUSGABE 03/2009
