Leitartikel Januar 2009
Verliert der LEH nun endgültig jede Bodenhaftung?
Die unterschiedlichen Pflanzenschutz- Anforderungen des Lebensmitteleinzelhandels an die Produzenten und Handelspartner sind eine nicht verständliche Hürde. Es hat den Anschein, dass die Unternehmen darüber sogar in einen Wettstreit getreten sind, wer die Hürde für Obst- und Gemüsebauern am höchsten ansetzen kann.
Im Dezember 2008 hat der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) seine Positionen zum Pflanzenschutz veröffentlicht. Danach sollen in Zukunft nur solche Wirkstoffe zugelassen werden, die für die menschliche Gesundheit und die Umwelt möglichst geringe Gefährdungen darstellen. Das mag vernünftig klingen. Aber sicher ist, dass die derzeitigen und zukünftigen Zulassungsbedingungen eine Gefährdung des Menschen gänzlich ausschließen. Warum also diese Forderung des HDE?
Pünktlich zur Internationalen Grünen Woche hat nun EDEKA einen neuen Coup gelandet. Die EDEKA hatte das Freiburger Ökoinstitut beauftragt, Pflanzenschutzmittelwirkstoffe toxikologisch zu bewerten und in drei Kategorien "besonders kritische Wirkstoffe", "kritische Wirkstoffe" und "weniger gefährliche Wirkstoffe" einzuteilen. Die vorgenommene Einstufung nach völlig überzogenen Bewertungsmaßstäben würde einen vernünftigen Pflanzenschutz nicht mehr zulassen. Es blieben im Obstbau von etwa 90 zugelassenen nur sechs Wirkstoffe übrig! Von einer wissenschaftlich fundierten Arbeit kann keine Rede sein. Was will EDEKA damit erreichen?
Mit diesem Vorgehen von EDEKA wird die Kompetenz unserer für die Verbrauchersicherheit zuständigen Bundesbehörden wie dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und auch dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Frage gestellt. Es ist nicht akzeptabel, dass sich LEH- Unternehmen einfach über die Fachkompetenz der Behörden hinwegsetzen.
Offensichtlich fühlt sich der LEH seitens vermeintlicher Umweltexperten unter Druck gesetzt. Umsatzeinbußen, der Kampf um Marktanteile und das Absetzen von Mitbewerbern führen zu absurden Ideen und Empfehlungen. Pflanzenschutz wird als Werkzeug einer unternehmerischen Differenzierungstrategie missbraucht. Damit wird nur neue Verunsicherung bei den Verbrauchern geschaffen, ohne das es dafür wirklich triftige Gründe gäbe.
Letzlich steht das gesellschaftliche Ziel, die Versorgung der Verbraucher mit gleichermaßen gesundem und sicherem Obst zu sichern, voll im Einklang mit den Zielsetzungen des Berufsstandes. Was ist zu tun?
Gemeinsam mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) und dem LEH sollten wir einen Runden Tisch einrichten zur Umsetzung folgender Zielsetzungen:
Mit dem Präsidenten des BVL, Dr. Tschiersky- Schöneburg, werden wir noch in diesem Monat über die Arbeit und Ziele eines Runden Tisches sprechen. Die LEH- Unternehmen und Vermarkter bitten wir, mit uns nach Lösungen zu suchen.
Gerhard Kneib
Jörg Disselborg
01/2009 - Zeichen setzen - Herausforderungen annehmen - Innovativ![]()
02/2009 - Verliert der LEH nun endgültig jede Bodenhaftung?![]()
03/2009 - Zentrale Marktbeobachtung für den Obstbau![]()
04/2009 - Kein Verbraucher will Maden in den Kirschen![]()
05/2009 - Europawahl 2009 - Chancen uns Stimmen nutzen![]()
06/2009 - NEPTUN - Risikoabschätzung - Nachwuchsförderung![]()
07/2009 -Nationaler Aktionsplan für den nachhaltigen Einsatz![]()
08/2009 - Seminare der Fachgruppe Obstbau - es spricht einigesür![]()
09/2009 - Risikobewertung - Pflanzenschutz - Rodeprämien![]()
10/2009 - Vermarktung 2009 - Preissituation und Marktverlauf![]()
11/2009 - Nachhaltigkeit - auch ein Thema für den![]()
12/2009 - Nationaler Aktionsplan - Delegierte diskutieren Gestaltungsmöglichkeiten![]()
AUSGABE 02/2009
