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Leitartikel September 2008

Saisonarbeitskräfte, Pflanzenschutz und Erntemehrgefahrenversicherung

Aus verschiedenen Gründen fehlen den Betrieben auch in diesem Jahr viele Saisonarbeitskräfte. Damit geht eine wichtige Planungsgröße verloren. Es ist jetzt zwingend notwendig, Verhandlungen aufzunehmen, damit wir Arbeitskräfte aus anderen Staaten, auch aus Drittstaaten außerhalb der Europäischen Union, spätestens zum Zeitpunkt der Freizügigkeit ab 2011 erhalten können. Dies führt, da die Eckpunkteregelung akzeptiert wird und erhalten bleibt, auch nicht zu einer Ausweitung der Anzahl von Saisonarbeitskräften. Darüber waren sich die Vorstandsmitglieder der Fachgruppe Obstbau im Rahmen der Sommertagung einig. In diesem Jahr fand diese Tagung vom 10. bis 12. August auf Einladung der Fachgruppe Obstbau im Landesverband Gartenbau Thüringen in Weimar statt.

In Brüssel werden zurzeit zwei wichtige Gesetzgebungsverfahren diskutiert. Zum einen geht es um die Rahmenrichtlinie zum nachhaltigen Einsatz und zum anderen um die Verordnung über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln. Diese neue Zulassungsverordnung, auf die sich die Agrarminister bereits geeinigt haben, kann die Zahl der verfügbaren Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe erheblich einschränken. Der Vorstand fordert das EU- Parlament auf:

  • Der vorliegende Kompromissvorschlag des Agrarministerrates muss unverändert übernommen werden. Weitere Änderungen zu Lasten der Landwirtschaft sind nicht akzeptabel
  • Die Ausnahmeregelung für den Fall, dass eine Zulassung aufgrund von dokumentierten Nachweisen zur Bekämpfung einer ernsten, nicht durch andere verfügbare Mittel abzuwehrenden Gefahr für die Pflanzengesundheit notwendig ist, muss beibehalten werden
  • Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse zu möglichen endokrinen Effekten. Beurteilungen und Entscheidungen dürfen ohne eine solche Datenlage nicht getroffen werden
  • Die Auswirkungen dieser Verordnung müssen auf Grundlage von wissenschaftlich fundierten Fakten überprüft werden. Notwendige Änderungen sind dann durch eine Revisionsklausel umzusetzen

Auch wurden die wirtschaftsseitig definierten Standards für Rückstandshöchstmengen weiter diskutiert. Der Vorstand war sich einig, dass ein gemeinsames und geschlossenes Verhalten gegenüber dem Lebensmittelhandel weiterhin von entscheidender Bedeutung ist. Besonders den Verbrauchern muss vermittelt werden, dass gesundes Obst nur durch einen nachhaltigen Pflanzenschutz möglich ist. Die Fachgruppe Obstbau wird die offensive Öffentlichkeitsarbeit fortsetzen.

Mit Dr. Stephan Haverkamp von der Münchner Rückversicherung diskutierten die Vorstandsmitglieder über den Klimawandel und einer entsprechenden Risikoabsicherung. Im Anschluss stellte Dr. Rainer Langner von der Vereinigten Hagelversicherung Möglichkeiten einer aktiven Krisenprävention durch Erntemehrgefahrenversicherungen vor. Bereits am Tag zuvor verabschiedete der Vorstand ein Eckpunktpapier zum Krisenmanagement und zur finanziellen Unterstützung von Erntemehrgefahrenversicherungen (s. Seite 462).

  • Die fortschreitende Klimaveränderung und die weiter bestehenden Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der Europäischen Union veranlassen zu sofortigem Handeln
  • Es ist jetzt an der Zeit, für den deutschen Obst- und Gemüsebau eine finanzielle Unterstützung von Ernte-Mehrgefahrenversicherungen nachdrücklich in die politische Diskussion einzubringen und dann baldmöglichst umzusetzen

Gerhard Kneib

Jörg Disselborg

 

Vergangene Leitartikel aus dem Jahr 2008:

AUSGABE 09/2008
Titelbild OBSTBAUTitelbild: Die Zwetschenernte fällt in diesem Jahr in den Anbaugebieten sehr unterschiedlich aus.