Leitartikel August 2008
Schnelle und praxisbezogene Steinobstzüchtung
Keine andere Obstkultur ist derzeit so im Aufwind wie der Süßkirschanbau. Schwächer wachsende, aber hochproduktive Unterlagen, maschinelle Sortierung, geschützter Anbau. Die Nachfrage nach großen, festfleischigen, dunklen und platzfesten und ertragreichen Süßkirschen ist groß. Sie sind aber, vor allem im frühen Reifebereich, sehr rar. Bedauerlich, denn hier können die besten Preise erzielt werden.
Vor diesem Hintergrund traf sich am 1. Juli 2008 die Fachkommission Steinobstzüchtung der Bundesfachgruppe Obstbau, um die Ergebnisse der aktuellen Sorten- und Klonprüfungen an den einzelnen Prüfstandorten zu diskutieren. Die Kommission war beeindruckt von den neuesten Züchtungen am Institut für Obstzüchtung in Dresden-Pillnitz. Die kontinuierliche Weiterführung der Kirschenzüchtung und -selektion von Dr. Brigitte Wolfram durch Dr. Mirko Schuster trägt mittlerweile Früchte - und das sehr viel versprechende!
Zeitliche Verkürzung durch Vernetzung
Nun ist es wichtig, dass die Süßkirschzüchtung in Dresden-Pillnitz auch die Ziellinie, d.h. die Sortenzulassung, erreicht, und ihr nicht kurz davor die "Luft ausgeht". Dafür ist zum einen sicher zu stellen, dass die personellen und finanziellen Voraussetzungen am Standort Pillnitz vorhanden sind. Dies ist Aufgabe des Julius-Kühn-Instituts, dem das Institut für Obstzüchtung angehört.
Zum anderen aber ist eine rasche und effektive Prüfung der Zuchtklone notwendig. "Die Pillnitzer Zuchtklone sollten möglichst bald an verschiedenen Standorten innerhalb Deutschlands auf ihre allgemeine Anbaueignung geprüft werden", waren sich die Mitglieder der Fachkommission Steinobstzüchtung einig. Ziel ist es, ein Deutschlandweites Netzwerk zur Klonprüfung aufzubauen, um aussichtsreiche Sortenkandidaten gründlich, aber zeitsparend auf Herz und Nieren zu prüfen. Mit einem solchen System wäre gewährleistet, dass die deutschen Süßkirschanbauer möglichst bald das bekommen, was sie für den wirtschaftlichen Erfolg dringend brauchen: Großfruchtige und möglichst früh reifende neue Süßkirschsorten aus deutscher Züchtung, die den hiesigen Standortbedingungen optimal angepasst sind.
Das geplante Netzwerk sieht vor, aussichtsreiche Zuchtklone bereits in der dritten Prüfstufe auch an anderen Standorten zu prüfen. Deshalb haben die Mitglieder der Fachkommission vereinbart, dass sie Abveredelungen dieser Klone aus Pillnitz bekommen und diese im Rahmen der Sortenprüfung mit etablierten Sorten vergleichen.
Großartige Chancen
Die Fachgruppe Obstbau unterstützt dieses Netzwerk und fordert einen umgehenden Beginn der Klonprüfungen. Auf diese Weise ist es möglich, die Belange der Praxis in einem frühen Stadium des Zuchtprozesses einzubringen und praktisch umzusetzen. Gleichzeitig können unsere Berater bereits vor der Sorteneinführung Anbauerfahrungen sammeln, so dass eine neue Sorte ohne Verzögerungen in die Sortenempfehlungen aufgenommen werden kann.
Großfruchtige, dunkle und festfleischige Süßkirschsorten aus heimischer Züchtung sind gar nicht so fern, wie wir immer geglaubt haben! Wenn alle Beteiligten weiterhin an einem Strang ziehen, werden sie in naher Zukunft zur Verfügung stehen. Und zwar für alle Obstbauern, ohne Einschränkung. Eine unabhängige, durch die öffentliche Hand getragene Züchtung ist heute wertvoller denn je für den wirtschaftlichen Erfolg unserer Obstbaubetriebe.
Gerhard Kneib
Jörg Disselborg
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02/2008 - Irrweg Mindestlohn![]()
03/2008 - Ciao! Wechsel![]()
04/2008 - Probabilistik-Politik hat Forderungen des Berufsstandes![]()
05/2008 - Erfolge sachgerecht erstritten - Aufgaben bleiben![]()
06/2008 - Zum Pflanzenschutz bekennen und gemeinverständlich![]()
07/2008 - EU-Pflanzenschutznovelle ideologisch begründet![]()
08/2008 -Schnelle und praxisbezogene Steinobstzüchtung![]()
09/2008 - Saisonarbeitskräfte, Pflanzenschutz und![]()
10/2008 - Existentiell betroffen![]()
11/2008 - EU-Pflanzenschutzpaket![]()
AUSGABE 08/2008
Titelbild: Multiplex-Reaktion von Mikrosatelliten-Markern
zur Sortenbestimmung