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Leitartikel Juni 2008

Zum Pflanzenschutz bekennen und gemeinverständlich thematisieren

"Wir kommunizieren es noch zu wenig. Pflanzenschutz muss positiv besetzt werden. Nicht nur in unseren eigenen Kreisen und der Politik, sondern auch bei den Verbraucherinnen und Verbraucher!" Darüber war sich der Vorstand der Fachgruppe Obstbau auf seiner Sitzung am 20. Mai 2008 in der Bildungsstätte Gartenbau in Grünberg einig. Neben Aktuellem zum Pflanzenschutz wurde über die aktuellen Entwicklungen der Probabilistik- Diskussion und der Mehrgefahrenversicherung für den Obstbau gesprochen. Mit Dr. Volkmar Gutsche, Institut für Strategien und Folgeabschätzung im Pflanzenschutz am JKI, wurde intensiv über die Entwicklung von neuen Bewertungsverfahren des Umwelt- Risikopotentials im chemischen Pflanzenschutz diskutiert.

Das Wissen, wo unsere Nahrungsmittel herkommen und wie diese hergestellt wurden, ist in unserer Gesellschaft nicht mehr weit verbreitet. Viele Verbraucher haben keine Kenntnisse mehr über die Realitäten in der Landwirtschaft. Nahrungsmittelproduktion und -verfügbarkeit werden als Selbstverständlichkeit betrachtet, der wissenschaftliche und technische Fortschritt aber mit großem Misstrauen. Es gibt den weit verbreiteten Glauben, dass ein "hochertragreicher" oder "intensiver" Anbau nicht nachhaltig sein könne und Nahrungsmittel produziere, die für die Verbraucher schädlich seien. Für diese Missverständnisse sorgen in erster Linie sachlich falsch recherchierte Presse- und Fernsehberichte. Dagegen sind "Umweltschutz" und "alternative" Nahrungsmittel dementsprechend positiv bewertet. Sehr häufig wird sogar nur eine alternative Landwirtschaft, die auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und moderne Technologien grundsätzlich verzichtet, als der einzige Weg in die Zukunft betrachtet.

Ein Grund für diese Einschätzung liegt vielleicht darin, dass die Mehrheit nicht mehr in der Lage ist, den ökonomischen und ökologischen Wert und den Nutzen gegen ein mögliches Risiko der modernen Landwirtschaft vernünftig zu bewerten. In den industrialisierten Ländern haben die Umwelt- und Sicherheitsstandards ein Niveau erreicht, das sehr häufig nur noch durch unsinnig hohe Kosten erhöht werden kann, ohne allerdings einen substantiellen Effekt auf die Sicherheit zu haben. Trotzdem werden aufgrund politischen Drucks die Auflagen und Regulierungen für den Pflanzenschutz ständig verschärft.

Der deutsche Obstbau steht für Transparenz. Unsere Faltblätter zur Kontrolliert Integrierten Produktion, unser Engagement in NEPTUN und QS und die vielen Gespräche mit Entscheidungsträgern in der Politik bringen uns in kleinen Schritten in die richtige Richtung. Einige Bundestagsabgeordnete haben bereits deutlich Position für die deutsche Landwirtschaft und für einen nachhaltigen Pflanzenschutz eingenommen. Aber diese Positionierungen müssen noch deutlicher und vor allem öfter geschehen. Von Politik und Verwaltung fordern wir klare Positionen aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse und keine Ideologie. Sehr positive Beispiele sind die Aussagen der verbraucherschutzpolitischen Sprecherin der CDU/CSU- Bundestagsfraktion Julia Klöckner (Interview auf Seite 307 dieser Ausgabe)und die schnelle Reaktion des Bundesinstitutes für Risikobewertung auf die PAN- Studie zu Rückständen im Wein. Denn mit sachlich fundierten und wissenschaftlich gesicherten Argumenten hat das BfR der PAN- Meldung alle Luft aus den Segeln genommen.

Die Perspektiven für den Obstbaustandort Deutschland hängen von dem ab, was Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aus den gegebenen Möglichkeiten machen. Die Gesellschaft, unsere Kunden, müssen in Zukunft verstärkt, in offener und gemeinverständlicher Kommunikation über die Belange des deutschen Obstbaus aufgeklärt werden. Aber wie ist das zu bewerkstelligen? Darüber macht sich der "Beirat für einen modernen und nachhaltigen Pflanzenschutz" der beiden Fachgruppen Obstbau und Gemüsebau Gedanken.

"Die Bundesfachgruppe Obstbau wird weiterhin offensiv in die Öffentlichkeit gehen. Es gilt, eine weitere Instrumentalisierung des Themenbereiches Pflanzenschutz zur Verunsicherung und Verängstigung der Verbraucherinnen und Verbraucher gilt es zu verhindern. Wir beziehen Position! Wir werden uns auch in Zukunft für einen nachhaltigen Pflanzenschutz einsetzen. Nicht Klasse oder Masse ist die Frage. Der Kontrolliert Integrierte Anbau gibt die richtige Antwort für die Ernährungssicherung und Zukunftsperspektive: Wir können Klasse und Menge nachhaltig produzieren.

Gerhard Kneib

Jörg Disselborg

 

Vergangene Leitartikel aus dem Jahr 2008:

AUSGABE 06/2008
Titelbild OBSTBAUTitelbild: Dieser Himbeerzuchtklon steht in der Sortenprüfung der LVWO Weinsberg. Vielleicht zukünftig eine neue Sorte?