Wissenswertes - Gesundheit
Die in den USA an 18.000 Rauchern und Asbestarbeitern durchgeführte Care-Studie (Beta Carotene
and Retinol Efficacy Trial) wurde im Januar dieses Jahres vorzeitig abgebrochen. Die Zwischenergebnisse
hatten nämlich gezeigt, dass die Einnahme von Beta-Karotin die Zahl der Lungenkrebserkrankungen
um 28 Prozent und die Zahl der Todesfälle insgesamt um 17 Prozent anstiegen ließ. Diese
Notbremsung wurde unter ausdrücklichen Hinweis auf die Ergebnisse der finnischen ATBC-Studie
durchgeführt. Außerdem hatte die PHS-Studie (Physicians Health Study) mit mehr als
22.000 gesunden US-Ärzten keine Vorteile durch die Einnahme von Vitaminen gezeigt. Das britische
Fachblatt "The Lancet" kam daher zu dem Schluss, dass Vitamintabletten eine gesunde
Ernährung offenbar nicht ersetzen könnten.
In der dritten, gleichzeitig mit der Caret- und PHS-Studie veröffentlichten Untersuchung
kamen die US-Forscher zu dem Schluss, dass die Einnahme der Vitamine A und C einem Herzinfarkt
nicht wirksam vorbeugen kann. Die an 34.486 Frauen nach den Wechseljahren durchgeführte Studie
zeigte, dass allein der Konsum Vitamin-E-reicher Nahrung die Zahl der Herztoten um mehr als die
Hälfte senken konnte. Dieser positive Effekt konnte aber nicht festgestellt werden, sobald
die Frauen Vitamin-E-Tabletten eingenommen hatten.
Die Daten zeigten, so schreiben zwei US-Experten in einem Kommentar im "New England Journal
of Medicine", dass die Vitamine offenbar weder Krebserkrankungen noch einen Herzinfarkt verhindern
könnten. Sie erinnerten daran, dass die Vitamintherapie aus Beobachtungen abgeleitet worden
sei, bei denen sich eine Verbindung zwischen dem Verzehr großer Mengen von Obst und Gemüse
und dem selteneren Auftreten von Krebsfällen gezeigt hatte. Vermutlich handele es sich dabei
um ein bedauerliches Missverständnis.
Vitamintabletten könnten den Nutzeffekt von Obst und Gemüse eben nicht einfach imitieren.
Denn diese enthalten eine Vielzahl bislang noch kaum erforschter Substanzen, die möglicherweise
anstelle der Vitamine für die positive Wirkung auf die Gesundheit des Menschen verantwortlich
sind.
Jochen Kubitschek - Die WELT Nr. 108-19 vom 9.5.1996
AUSGABE 07/2010

Titelbild: Süßkirschen aus dem geschützten Anbau sind nach wie vor auf dem Vormarsch.
Leitartikel:
Gemeinsame Agrarpolitik - Zukunftspolitik der EU für Landwirtschaft und Gesellschaft
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