Wissenswertes - Gesundheit
Bereits seit Anfang der 60er Jahre werden von Wissenschaftlern in Deutschland, den USA, Italien, Schweiz, Korea, Türkei und in Ungarn Untersuchungen zu den Inhaltsstoffen der Sauerkirsche und deren Wirkung auf den menschlichen Organismus durchgeführt.
Inhaltsstoffe
Im Wesentlichen bestehen die Früchte der Sauerkirschen aus Wasser, Mineralstoffen, Spurenelementen,
Vitaminen, Ballaststoffen, Säuren und Alkohol.
Sauerkirschen enthalten im Mittel etwa
An Zucker enthalten Sauerkirschen fast ausschließlich Glucose und Fructose, wobei der Glucosegehalt
meist etwas höher liegt. Saccharose kommt nur in geringer Konzentration vor. Als Zuckeralkohol
spielt der Sorbit, wie allgemein im Steinobst, eine Rolle.
Der Säuregehalt der Sauerkirschen besteht fast ausschließlich aus Äpfelsäure.
Daneben kommen sehr geringe Konzentrationen an Zitronensäure vor.
Ihr wertvollste Besitz für die Gesundheit des Menschen sind allerdings die sekundären
Inhaltsstoffe – die Phenole. Vor 40 Jahren waren sie noch weitgehend unbekannt und wurden
als Obstgerbstoffe bezeichnet.
Flavonoide sind die bedeutendste Gruppe der Pflanzenphenolen. Bis jetzt sind Tausende unterschiedlicher
Flavonoide bekannt, von denen eine ganze Reihe verschiedene biologische Wirkungen auf Pflanze,
Tier und Mensch zeigt.
Vergleich der Inhaltsstoffe mit anderen Obstarten
Die Inhaltsstoffe der Sauerkirschen werden mit denen von Süßkirschen, Äpfeln und
Schwarzen Johannisbeeren verglichen. Dabei zeigen sich nur geringe Unterschiede der Parameter
Wasser, Roheiweiß, Rohfett und Kohlenhydrate.
Mineralstoffgehalte
Die Mineralstoffgehalte zwischen Sauer- und Süßkirschen unterscheiden sich nur gering
und liegen zwischen 0,37 – 0,70 g/100g des essbaren Anteils.
Äpfel haben lediglich einen Mineralstoffgehalt von 0,26 – 0,36 g/100g des essbaren
Anteils, während die Schwarzen Johannisbeeren die Spitzenreiter der vier Obstarten sind mit
0,50 – 1,10 g/100g des essbaren Anteils
Im Vergleich der Spurenelemente fallen die Sauerkirschen durch hohe Mengen von Niacin und Folsäure
auf. Angaben zu Mangan, Insgesamt kann die Sauerkirsche mit der sehr nährstoffreichen Schwarzen
Johannisbeere konkurrieren.
Vitamine
Kirschen haben einen hohen Gehalt an Vitamin A (Retinol) im Vergleich zu den Obstarten Apfel und
Schwarze Johannisbeeren. Die Schwarze Johannisbeere ist im Bereich des Vitamin-Gehaltes nicht
zu übertreffen, insbesondere in den Gehalten von Vitamin C und Tocophenol (Vitamin E).
Sauerkirschen haben im Vergleich zu den drei anderen Obstarten den höchsten Anteil an Carotinoiden.
Sekundäre Pflanzenstoffe
Neben der Versorgung mit Mineralstoffen und Spurenelementen sind für die Gesundheit des Menschen
die Pflanzenphenole am wertvollsten.
Anthocyane
Die Anthocyane der Sauerkirschen haben eine starke antioxidative und entzündungshemmende
Aktivität Sie blockierten in Laborversuchen die Tumorentwicklung infizierter Mäuse und
das Wachstum menschlicher Dickdarmkrebszellen. Zudem zeigte Cyanidin (ein Glykogen der Anthocyanidine)
eine größere entzündungshemmende Effizienz als Aspirin.
Melatonin
Melatonin ist in Früchten ein wirksames Antioxidant. Im menschlichen Körper steuert
Melatonin den Tag-Nacht-Rhythmus. Schlaflosigkeit kann deshalb mit Melatonin aus der Sauerkirsche
auf einem natürlichen Weg verringert werden.
Die Produktion von Melatonin nimmt in unserem Körper mit zunehmendem Alter ab. Daher wäre
es nützlich, einen Weg zu finden, den Melatoningehalt im Körper, besonders älterer
Menschen, anwachsen zu lassen. Melatonin wird schnell von dem Körper absorbiert. Deshalb
meinen Forscher, dass bereits kleine Mengen an Kirschen den Melatoningehalt im Blut steigern und
dass dadurch die Schlafleistung verbessert werden kann.
Flavonoide
Das Molekül O2ist äußerst reaktionsträge. Damit der Sauerstoff seine biologischen
Funktionen erfüllen kann, muss er chemisch aktiviert werden. Hierbei entstehen intermediär
oder als Endprodukt reaktive Sauerstoffmoleküle, welche im Körper Schäden anrichten
können. Denn besteht ein Ungleichgewicht zwischen der Bildung von solchen Sauerstoffradikalen
und den körpereigenen Abwehrmechanismen, so kommt es zum “oxidativen Stress“,
der lebensbedrohend sein kann.
Heute wird eine Vielzahl von Krankheitsbildern auf den „oxidativen Stress“ zurückgeführt.
Hierzu zählen
Die Fähigkeit der Flavonoide Sauerstoffradikale abzufangen, stellt den Schwerpunkt ihrer antioxidativen Aktivität dar. Eine allgemeine Übersicht positiver gesundheitlicher Wirkung von pflanzlichen Polyphenolen zeigt folgende Auflistung:
Verwertung
Säfte sind neben Früchten und Gemüse ebenfalls zur Ernährung mit gesundheitsfördernden
Pflanzenstoffen geeignet. Die bioaktiven Komponenten können unter Umständen sogar besser
aus den Säften aufgenommen werden als aus Pflanzengewebe. So genannte Buntsäfte (roter
Traubensaft, schwarzer Johannisbeernektar, Sauerkirschnektar) und andere farb- und polyphenolreiche
Nektare (Brombeere, Heidelbeere) weisen ein erhebliches antioxidatives Potential auf. Je höher
der Fruchtgehalt, desto höher ist auch die antioxidative Kapazität.
Alle Ergebnisse zeigten, dass Kirschen reich an Phenolen sind, speziell an Anthocyanen. Sauerkirschen
können deshalb zur Ernährung mit biologisch wirksamen sekundären Pflanzenstoffen
dienen.
In der Forschung wird versucht, die sekundären Pflanzenstoffe aus der Sauerkirsche zu isolieren
und unabhängig von der Frucht mit biotechnologischen Methoden zu produzieren. Denn die Verfügbarkeit
von Sauerkirschen ist saisonal begrenzt und die Früchte gehen bevorzugt in die Frischverwertung.
Besonders die Produktion von „Natürlichem Aspirin“ ist von Interesse. Es könnte
eine Alternative für Menschen mit Geschwüren im Verdauungstrakt oder mit einer Allergie
gegen Aspirin sein.
Sortenunterschiede
Die Sorten der Sauerkirschen zeigen bei den Mineralstoff- und Salzgehalten teilweise große
Unterschiede. Dies kann zwar eine Sortenfrage sein, ist aber wahrscheinlich eine Folge von unterschiedlichen
Düngemaßnahmen.
Der hohe Fructose- und Glucosegehalt sowie der niedrige Säuregehalt machen die 'Ungarische
Traubige' zu den wohlschmeckendsten Sorten. Im Hinblick auf ihren gesundheitlichen Wert sind zum
einen) der geringe Gehalt an Vitamin C und der geringe Phenolanteil zu nennen. Sorten wie 'Schattenmorelle'
und 'Gerema' weisen in dieser Hinsicht wesentlich höhere Werte auf, finden aber in der Regel
nur als Gefrierkonserven, Nasskonserven, als Belegfrucht und für die Frostung Verwendung.
Dies ist sicherlich dem niedrigen Zuckeranteil und dem dafür entsprechend hohen Säuregehalt
zuzuschreiben. Der hohe Phenolgehalt und damit der hohe gesundheitliche Wert der Sorte 'Stevnsbaer
Birgitte' macht sich bereits in der Fruchtfarbe bemerkbar, die als dunkelbraun bis schwarz beschrieben
wird. Verwendung findet die Sorte in der Saft- und Mostindustrie sowie in der Verarbeitung von
Kirschlikör. Die Sorte 'Schattenmorelle' übertrifft im Bereich Vitamin C- und Phenolgehalt
die anderen vier Sorten und hat somit ein hohes antioxidatives Potential.
Gesundheitswert von Sauerkirschen
Die Sauerkirsche hat einen hohen Stellenwert insbesondere in der Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
In Studien wurde aber lediglich eine Reduzierung der Todesfälle festgestellt, die Anzahl
der Erkrankungsfälle verminderte sich nicht. Für die menschliche Ernährung kann
die Sauerkirsche neben Rotwein, Schwarzem Johannisbeersaft und Schwarzem Tee eine Grundlage für
die Versorgung mit antioxidativ wirksamen Phenolen darstellen. eine übergroße Aufnahme
von Phenolen kann jedoch, insbesondere in künstlicher und konzentrierter Form, Zellzusammenbrüche
oder Krebs fördernde oxidative Verbindungen hervorrufen. Ein hoher Verzehr an Obst und Gemüse
findet hingegen Unterstützung, da die Aufnahme der Flavonoide über die Nahrung im Vergleich
zu einer künstlichen Zufuhr in jedem Fall zu empfehlen ist. Säfte leisten einen wertvollen
Beitrag, um den Körper das ganze Jahr über mit gesundheitsfördernden Nährstoffen
zu versorgen.
Sauerkirschen werden in Deutschland in großen Mengen als verarbeitetes Produkt in Konserven,
Milchprodukten und Marmeladen abgesetzt. Ihre eher schlechten Lagereigenschaften als Frischmarktware
unterstützen diesen Trend. Im Vergleich dazu werden Süßkirschen mit Assoziationen
wie „Sommer“, „Frische“, „Genuß“, „Gute Laune“ und „Schlemmen“ in
Verbindung gebracht. Alles Begriffe, die sich auf den frischen Verzehr dieses Lebensmittels und
eine Nahrungsergänzung beziehen. Für Sauerkirschen stehen Begriffe wie „Schnaps“, „Schwarzwälder
Kirschtorte“ und „Säure“. Diese Verbindungen lassen wenig Spielraum für
den Aspekt „Gesundheit“, der bei Sauerkirschen nicht unbeachtet bleiben darf. Daher
ist es wichtig, den Sauerkirschen eine größere Lobby zu bereiten und die Verbraucher
auf das gesundheitliche Potential der Früchte aufmerksam zu machen
Wissenschaftliche Untersuchungen haben erwiesen, dass der regelmäßige Verzehr dieser
Nahrungsmittel nicht nur das allgemeine Wohlbefinden fördert, sondern auch das Risiko bestimmter
schwerer Erkrankungen vermindert, darunter verschiedene Krebsarten und Herzerkrankungen.
Die Wirkungsweise und die Funktion der Phenole im menschlichen Organismus ist unter Forschern
und Medizinern zwar bekannt und ist unbestritten. Die Umsetzung und Verteilung der Stoffe im menschlichen
Körper jedoch muss noch weiter untersucht werden.
AUSGABE 01/2012

Leitartikel:
Nationaler Aktionsplan - Vergangenes und Positives nicht vergessen!
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