Startseite | Impressum | E-Mail

Archiv-Meldung vom 09.03.2009

BVL stellt „Nationale Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände 2007“ vor

9,5 % der Obst- und Gemüseproben aus Nicht-EU-Ländern, 5 %, der Waren aus anderen EU-Mitgliedstaaten und nur 2,7 % der aus Deutschland stammenden Obst- und Gemüseproben überschritten im Jahr 2007 die gesetzlichen Höchstgehalte für Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Dies sind Ergebnisse der „Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände 2007“, die das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auf der Grundlage von Daten der Bundesländer kürzlich veröffentlicht hat. Neben Obst und Gemüse werden auch alle anderen Lebensmittel auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht. In der Gesamtheit aller 17.700 untersuchten Lebensmittelproben wurden in ca. 39 % keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nachgewiesen. Rückstände unterhalb der gesetzlichen Höchstgehalte wurden in 57 % der Proben festgestellt.

Kritische Herkünfte werden bevorzugt beprobt
Die amtliche Lebensmittelüberwachung der Länder konzentriert sich bei der Probenahme und der Untersuchung auf Lebensmittel, bei denen bereits in der Vergangenheit häufig Rückstände festgestellt wurden. Der Anteil von Proben, bei denen Pflanzenschutzmittelrückstände festgestellt wurden, ist daher überproportional, so dass die in der „Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände“ gemachten Angaben nicht repräsentativ für die Gesamtheit der auf dem Markt befindlichen Lebensmittel sind.

Proben aus ökologischem Anbau
Von den 1394 untersuchten Obst- und Gemüse-Proben aus ökologischem Anbau konnten in ca. 83 % keine Pflanzenschutzmittelrückstände festgestellt werden, 16% der Proben enthielten Rückstände in geringen Spuren, die in mehr als der Hälfte der Fälle mit bis zu 0,01 mg/kg deutlich unterhalb der gesetzlichen Höchstgehalte lagen. Bei 0,9 % (13 Proben) wurden die Höchstgehalte überschritten. Insgesamt wiesen Lebensmittel aus ökologischem Landbau damit deutlich seltener und in geringerem Umfang Rückstände von Pflanzenschutzmitteln auf als konventionell erzeugte Lebensmittel. Auch Überschreitungen der Rückstands-Höchstgehalte traten seltener auf.
Auch die überprüfte Säuglings- und Kleinkindernahrung überschritt in keinem Fall die Höchstgehalte. Fast 83 % der beprobten Kleinkindernahrung wiesen gar keine Pflanzenschutzmittelrückstände auf.

Mehrfachrückstände
In 40,9 % aller Lebensmittelproben wurde mehr als ein Rückstand gefunden. Der Anteil der Proben mit Rückständen mehrerer Pflanzenschutzmittel sank im Vergleich zum Vorjahresbericht um 0,7 Prozent. Ein Grund für Mehrfachrückstände kann beispielsweise die Zusammensetzung einer Probe aus unterschiedlichen Partien sein. Auch ein gemäß guter fachlicher Praxis erwünschter Wechsel der angewandten Wirkstoffe, durch den die Entwicklung von Resistenzen bei Schaderregern vermieden wird, kann zu Mehrfachrückständen führen. An der wissenschaftlichen Bewertung solcher Mehrfachrückstände wird weiter gearbeitet. Konkrete Risiken für die Verbraucher sind derzeit nicht bekannt.

Überschreitung der Rückstandshöchstmenge rückläufig
Mit 4,5 % sank der Anteil von Proben, die die gesetzlichen Höchstgehalte überschritten gegenüber dem Vorjahr um 0,8 %. In diesen Zahlen sind konventionell und ökologisch erzeugte Lebensmittel zusammengefasst. Ein Grund hierfür ist die fortschreitende Harmonisierung der Rückstandshöchstgehalte auf EU-Ebene. Auch die Verbesserung der landwirtschaftlichen Praxis und der Qualitätssicherung der Produzenten und des Handels haben einen Beitrag geleistet.
Eine Überschreitung von Rückstandshöchstgehalten ist selten mit einer Gefährdung der Gesundheit der Verbraucher gleichzusetzen. Bei Überschreitungen der Höchstgehalte schätzt die zuständige Überwachungsbehörde das gesundheitliche Risiko für den Verbraucher ab. Die Überschreitungen von Höchstgehalten werden von den Behörden der Länder generell verfolgt und geahndet. Bei 40 von insgesamt 17.700 untersuchten Proben konnte im Jahr 2007 jedoch auf Grund deutlicher Überschreitungen der Höchstgehalte ein gesundheitliches Risiko für den Verbraucher nicht ausgeschlossen werden. In diesen Fällen hat das BVL die für die Lebensmittelüberwachung zuständigen Überwachungsbehörden der anderen Bundesländer sowie die EU-Kommission und andere Mitgliedstaaten über das Europäische Schnellwarnsystem informiert. Von den 40 Proben mit deutlicher Überschreitung der Höchstgehalte stammte keine aus Deutschland, während 18 Proben in der Türkei und 13 Proben in Spanien ihren Ursprung hatten.

Mehr Proben untersucht
Im Jahr 2007 wurden 17.700 Proben von den Fachbehörden der Bundesländer im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung und des Lebensmittelmonitorings auf das Vorkommen von Pflanzenschutzmittelrückständen geprüft. Das waren 165 mehr als im vorangegangenen Berichtsjahr. Die Proben wurden auf 765 Wirkstoffe untersucht, wobei nicht jede Probe auf das gesamte Stoffspektrum analysiert wurde. Im Durchschnitt wurden die Proben auf Rückstände von 231 Stoffen untersucht. Damit wurde insgesamt seitens der Überwachungsbehörden die Untersuchungsintensität gegenüber dem Vorjahr noch einmal gesteigert.

Stellungnahme der Fachgruppe Obstbau
„Jede Überschreitung der gesetzlichen Höchstgehalte ist und bleibt inakzeptabel. Mit ‚nur’ 2,7 % Höchstmengenüberschreitungen haben sich die deutschen Produzenten gegenüber den ausländischen Mitbewerbern weiter verbessert. Die Sicherheit und Qualität von Gemüse und Obst ist in Deutschland so hoch wie nie zuvor“, stellten die Vorsitzenden der Fachgruppe Gemüsebau, Gerhard Schulz und der Fachgruppe Obstbau, Gerhard Kneib, übereinstimmend fest. Nicht nachzuvollziehen ist daher, dass Verbraucher ständig mit Diskussionen über Rückstände verunsichert werden. Es ist nicht akzeptabel, dass Lebensmitteleinzelhandelsunternehmen (LEH-Unternehmen) von den Erzeugern verlangen, weitaus strengere Höchstgehalte einzuhalten als die gesetzlichen Vorgaben dies bestimmen. Eine höhere Sicherheit der Verbraucher wird damit nur vorgegaukelt. Die gesetzlich festgelegten Höchstgehalte sind absolut sicher.

Der Bericht im Internet
Den Bericht zur Nationalen Berichterstattung Pflanzenschutzmittelrückstände 2007 finden
Sie unter www.bvl.bund.de/cln_023/nn_493682/DE/01__Lebensmittel/01__Sicherheit__Kontrollen/05__NB__PSM__Rueckstaende/01__nb__psm/nbpsm__2007/nbpsm__Bericht__2007.html

Allgemeine Informationen zu dieser Berichterstattung, die Berichte der Vorjahre, Tabellen und einen Vergleich der Rückstandssituation 2002 - 2007 finden Sie unter
www.bvl.bund.de/berichtpsm

Aus welchen Ländern stammten häufig zu beanstandende Proben? Informationen zu dieser Frage finden Sie unter
www.bvl.bund.de/cln_023/nn_491652/DE/01__Lebensmittel/00__doks__download/eg2007-psm-tab-222-surveillance.html

Welche Rückstände fanden sich in Bio-Proben? Informationen zu dieser Frage finden Sie unter
www.bvl.bund.de/cln_023/nn_491652/DE/01__Lebensmittel/00__doks__download/eg2007-psm-tab-22-bio.html



«« zur Archivübersicht

 

AUSGABE 08/2010
Titel OBSTBAU August 2010
Titelbild: Die Heidelbeersorte ‘Nui‘ ist gut für die Verfrühung im Folientunnel geeignet.


Pfeil Inhaltsverzeichnis

Leitartikel:
Steht der Naturschutz über dem Gesundheitsschutz?
Pfeil weiterlesen