Archiv-Meldung vom 28.11.2008
60 Jahre Fachgruppe Obstbau
Seit 60 Jahren ist die Fachgruppe Obstbau die berufsständische Interessenvertretung des deutschen Erwerbsobstbaues. Sie entstand im Rahmen der Gründung des Zentralverbandes des Deutschen Gemüse-, Obst- und Gartenbaues e. V. - heute Zentralverband Gartenbau (ZVG) - im Jahre 1948. Seitdem hat sich vieles geändert, vieles ist aber auch gleich geblieben.Bundesausschuss Obst und Gemüse
1953 kam es zu einer weiteren Bündelung der Interessen im Bereich Obst und Gemüse. Die drei Verbände DBV, ZVG und Deutscher Raiffeisenverband e. V. (DRV) gründeten den Bundesausschuss Obst und Gemüse (BOG) mit Sitz beim Deutschen Bauernverband in Bonn. Die Fachgruppe Obstbau wurde eine Gliederung des BOG, blieb aber gleichzeitig Fachgruppe Obstbau des ZVG. In einer Vereinbarung zwischen den Trägerverbänden wurde festgelegt, dass der BOG für wirtschaftspolitische Fragen zuständig war und zusätzlich für Fragen, die den Obst- und Gemüsebau gleichermaßen betreffen.
Eigenständiger Verband gefordert
1955/56 zeigte sich der Vorstand der Fachgruppe Obstbau nicht mehr zufrieden mit der Konstruktion der Fachgruppe Obstbau und forderte die Gründung eines eigenständigen Deutschen Obstbauverbandes e. V. mit einem eigenen Haushalt und Geschäftsführer. ZVG und DBV sahen ihren Einfluss und auch die Konstruktion und die Arbeit des BOG gefährdet. Ergebnis der Beratungen war, dass beim ZVG ein eigener Geschäftsführer für die Fachgruppe Obstbau eingestellt wurde und ein selbständiger Haushalt errichtet wurde - mit finanzieller Unterstützung des DBV und des ZVG. Die Fachgruppe Obstbau nahm am 4. Dezember 1956 eine Geschäftsordnung an, mit der ihre institutionellen Verhältnisse geregelt wurden die bis Ende 1979 nicht verändert wurden.
Zum Zeitpunkt der Neugliederung der Fachgruppe Obstbau wurden zusätzlich zu den regionalen Obstbauverbänden, die gleichzeitig Mitglieder der Fachgruppe Obstbau und des ZVG waren, weitere regionale obstbauliche Organisationen gegründet. So umfasste die Fachgruppe Obstbau schließlich 16 regionale Obstbauorganisationen. Fast alle Obstbaubetriebe waren bis zum Zeitpunkt der Wende Mitglieder eines regionalen Bauernverbandes. Aus diesem Grund orientierten sich die regionalen Obstbauverbände in der Mehrzahl von den ZVG-Landesverbänden hin zu den regionalen Bauernverbänden. Um die Zugehörigkeit der Fachgruppe Obstbau zum ZVG zu untermauern, wurde die Fachgruppe Obstbau 1963 Mitglied im ZVG.
Neue Satzung
1975 hat der Vorstand der Fachgruppe Obstbau den Beschluss gefasst, ab Januar 1976 eine verbandseigene Fachzeitschrift herauszugeben. Nicht nur deshalb nahmen die Aktivitäten der Fachgruppe Obstbau, die dem wirtschaftlichen Haushalt zugerechnet werden mussten, derart zu, dass eine neue Verbandsstruktur geschaffen wurde. Gleichzeitig hat sie einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb für die Herausgabe der Zeitschrift OBSTBAU errichtet. Eine neue Satzung und Geschäftsordnung regelt seit diesem Zeitpunkt die Verbandstätigkeit. Dies alles geschah in voller Übereinstimmung mit der Vereinbarung der Trägerverbände über den BOG.
Laut Satzung der Fachgruppe Obstbau vertritt diese als Zusammenschluss der Obstbauorganisationen in der Bundesrepublik Deutschland die übergebietlichen berufsständischen und wirtschaftlichen Interessen der in ihren Mitgliedsorganisationen erfassten Unternehmen. Die Organe der Fachgruppe Obstbau sind die Delegiertentagung und der Vorstand. Die Delegiertentagung ist das oberste Organ der Fachgruppe Obstbau.
Dem Vorstand der Fachgruppe Obstbau gehören an: der Vorsitzende der Fachgruppe Obstbau, seine Stellvertreter und die Vorsitzenden der regionalen Obstbauorganisationen. Dem Vorstand obliegt die Beschlussfassung in allen wichtigen berufsständischen und wirtschaftspolitischen Angelegenheiten, die sich aus der Tätigkeit der Fachgruppe Obstbau ergeben. Soweit die Beschlussfassung nicht der Delegiertentagung vorbehalten ist, fasst der Vorstand die zur Erfüllung der Aufgaben der Fachgruppe Obstbau erforderlichen Beschlüsse.
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990 wurden in den fünf neuen Bundesländern sehr schnell regionale Obstbauverbände gegründet, die dann Mitglied in der Fachgruppe Obstbau wurden. Die Zusammenarbeit gestaltete sich von Anfang an kollegial und freundschaftlich.
Berufsständische Arbeit
Das Spektrum der berufsständischen Arbeit ist außerordentlich breit gefächert. Bedeutende oder spartenübergreifende Themen werden in Abstimmung mit den Trägerverbänden, insbesondere mit dem Deutschen Bauernverband und mit dem Zentralverband Gartenbau behandelt.
Herausragende Themen der letzten Jahre waren zweifelsohne die Probleme mit Saisonarbeitskräften und Fragen der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln.
Die Verfügbarkeit der für einen erfolgreichen Anbau zwingend notwendigen Pflanzenschutzmittel hat in den vergangenen Jahren viele Höhen und Tiefen erlebt. Einschneidend war vor allem die Einführung der Indikationszulassung im Jahr 1998. Dem Expertengremium Integrierter Pflanzenschutz und besonders dem Arbeitskreis Lückenindikation ist zu verdanken, dass bis heute die meisten Indikationslücken geschlossen werden konnten und in fast allen Kulturen eine ausreichende Palette an Mitteln zur Verfügung steht.
Saisonarbeitskräfte sind im Obstbau ein wesentlicher Bestandteil des Betriebes. Sie helfen, Arbeitsspitzen in der Erntezeit zu bewältigen und sichern damit den Arbeitsplatz der ganzjährig beschäftigten Mitarbeiter und zahlreicher Arbeitskräfte im vor- und nachgelagerten Bereich. Die Zahl osteuropäischer Saisonarbeitskräfte stieg bis zum Jahr 2004. Nach dem Beitritt Polens und anderer osteuropäischer Staaten zur EU verschlechterte sich die Situation jedoch erheblich, denn nun konnten die Arbeitnehmer aus diesen Ländern fast überall in der EU in allen Bereichen arbeiten. Zusätzlich zu dieser Konkurrenzsituation hat das BMAS eine Eckpunkteregelung durchgesetzt, um deutsche Arbeitslose stärker in Saisontätigkeiten hineinzubringen. In langwierigen Verhandlungen konnte der Berufsstand Modifikationen durchsetzen, um die Folgen für die Anbauer zu entschärfen. Mittlerweile können die meisten Betriebe mit den neuen Bedingungen zurechtkommen. Große Probleme gibt es aber nach wie vor im arbeitsintensiven Erdbeeranbau und in den Obstbaubetrieben der ostdeutschen Bundesländer.
Ein wichtiger Schritt war die Einführung des kontrollierten Integrierten Anbaus von Kern- und Steinobst vor nunmehr 19 Jahren. Die Fachgruppe Obstbau hat seinerzeit die Koordinierung bei der Schaffung von bundeseinheitlichen Richtlinien übernommen und begleitet die Fortschreibung des Richtlinienkataloges an die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse federführend. Heute ist diese umweltschonende Produktionsform als wichtige Säule des deutschen Obstanbaus ein Garant für Nachhaltigkeit in der Produktion von gesundem Obst.
Darüber hinaus hat die Fachgruppe Obstbau sich engagiert für ein Qualitätssicherungssystem unter Beteiligung der Produzenten eingesetzt. Mit QS Obst und Gemüse entstand dabei ein hervorragendes Sicherungsnetz. An dessen Konstitution und Grundsätzen hat die Fachgruppe Obstbau maßgeblich mitgewirkt und die Weiterentwicklung entscheidend geprägt.
In besonderer Weise hat sich die Fachgruppe Obstbau als erster Fachverband im NEPTUN- Projekt eingebracht und dadurch die Entwicklung der Pflanzenschutzdiskussion entscheidend mitgestaltet. Die in 2004 und 2007 erhobenen Daten liefern die Grundlagen für eine nachhaltige wissenschaftliche Arbeit. Die Ergebnisse kann die Bundesregierung in der politischen Argumentation in Deutschland und in Europa für eine sachgerechte und fundierte Pflanzenschutzpolitik nutzen.
Die Zeitschrift OBSTBAU hat sich gegen viele Widerstände etabliert und ist heute eine wichtige Säule der Verbandsarbeit. Als Fachzeitschrift gehört OBSTBAU nicht ohne Grund zu den renommiertesten Fachzeitschriften im deutschsprachigen Raum.
Seit 60 Jahren ist die Fachgruppe Obstbau die berufsständische Interessenvertretung des deutschen Erwerbsobstbaues. Und seit 60 Jahren setzt sich die Fachgruppe für die Interessen der Obstbauern auf den verschiedensten Gebieten ein. Gemeinsam mit den Trägerverbänden wurde viel erreicht. Die deutschen Obstbauern werden sich aber auch in Zukunft immer wieder neuen Herausforderungen stellen müssen. Als der berufsständische Fachverband aller Obstbauern in Deutschland wird die Bundesfachgruppe weiterhin offen, konstruktiv und auf allen Ebenen für die Belange der Branche eintreten.
AUSGABE 01/2012

Leitartikel:
Nationaler Aktionsplan - Vergangenes und Positives nicht vergessen!
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