Archiv-Meldung vom 27.11.2008
Delegiertentagung der Bundesfachgruppe Obstbau in Grünberg
„Vor 60 Jahren wurde die Fachgruppe Obstbau im Bundesausschuss Obst und Gemüse gegründet“, erkläret Gerhard Kneib, Vorsitzender der Fachgruppe Obstbau auf der Delegiertentagung der Fachgruppe. „60 Jahre, in denen wir gemeinsam mit unseren Trägerverbänden viele Herausforderungen gemeistert haben.“ Die Delegiertentagung ist das höchste Gremium der Fachgruppe Obstbau. Sie fand statt am 19. und 20. November in der Bildungsstätte Gartenbau in Grünberg.EU-Pflanzenschutznovelle - Was ist zu erwarten?
Im Ringen um eine sachgerechte Umsetzung der EU-Pflanzenschutznovelle ist dieser Zusammenhalt wichtiger denn je. Die derzeitigen Diskussionen in Brüssel dominierten somit auch die diesjährige Tagung. Ursula Heinen, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz berichtete über den aktuellen Stand der Verhandlungen: „Gerade hat der erste Trilog stattgefunden. Das ist das erste Gespräch von EU-Parlament, Kommission und Rat, um einen Kompromiss für die EU-Pflanzenschutznovelle zu erreichen. Nach den jetzigen Vorschlägen würden in Deutschland etwa10 % der Wirkstoffe im Verlauf der kommenden Jahre wegfallen. Wenn jedoch die Analyse mit Hilfe einer Multimethode Zulassungskriterium werden sollte, würden weitaus mehr Stoffe betroffen sein. Hier hat das Parlament aber mittlerweile erkannt, dass dieses Kriterium nicht sachgerecht sein kann.“ Ursula Heinen verwies darauf, dass die Rahmenrichtlinie viele Elemente enthält, die in Deutschland bereits bestehen, wie der Sachkundenachweis oder die Geräteprüfung. Zusätzlich gefordert werden jedoch eine allgemeine Mengenreduktion oder auch die Einschränkung der Pflanzenschutzmitteleinsatzes in Natura 2000-Gebieten. „Hier sind noch intensive Gespräche mit den EU-Parlamentariern notwendig“, erklärte sie.
Pflanzenschutzmittelrückstände im Blickpunkt
Ursula Heinen lobte ausdrücklich die Bereitschaft des Berufsstandes, Daten für das Neptun-Projekt zur Verfügung zu stellen. „Diese Daten haben uns in der Diskussion auf europäischer Ebene sehr geholfen.“ Sie erläuterte, dass insbesondere Mehrfachrückstände sehr kritisch beurteilt werden und die EFSA derzeit an Modellen der Risikoabschätzung arbeiten, um hier aussagekräftige Daten zu erhalten.
Dr. Helmut Tschiersky-Schöneburg, Präsident des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) berichtete über den Ablauf von Rückstandsmonitorings und diskutierte mit den Teilnehmern Möglichkeiten und Chancen der Minimierung von Rückständen. „Selbst wenn gezielt dort beprobt wird, wo übermäßige Rückstände vermutet werden, sind etwa 40 % der Proben ohne nachweisbare Rückstände und bei weiteren 50-60 % sind die Werte innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Höchstmengen“, berichtete er. „Und das bezieht sich auf in Deutschland vermarktete Ware. Berücksichtigt man nur Obst und Gemüse aus heimischer Produktion, liegt dieser Wert noch deutlich niedriger. Der Verbraucher aber hat das Bedürfnis nach völlig Rückstandsfreier Ware. Deshalb sollte es Ihr Bestreben sein, sich diesem Ziel freiwillig anzunähern.“
Dietmar Bahler, Leiter der Sparte Obst der BayWa AG, sieht in der Minimierung von Rückständen ebenfalls eine wichtige Chance für den deutschen Obstbau. „Die geringe Höhe der Werte zeigt, dass sich die Produzenten der Verantwortung bewusst sind. Deshalb sind die zusätzlichen Forderungen des Lebensmitteleinzelhandels unnötig und verunsichern den Verbraucher nur. Wenn wir aber langfristig in der Vermarktung erfolgreich sein wollen, müssen wir uns an den Wünschen der Verbraucher orientieren. Und die wünschen Rückstandsfreiheit.“ Dietmar Bahler sieht es deshalb als eine Notwendigkeit an, dass die Obstbauern die Minimierung von Rückständen als Ziel ansehen sollten, „auch wenn völlige Rückstandsfreiheit bei den heutigen Analysemöglichkeiten natürlich immer eine Utopie bleiben wird“.
Alle Mitglieder der Delegiertentagung waren sich einig, dass außerdem die Werbung für den Gesundheitswert von Obst und Gemüse weiter verstärkt werden soll. Denn der Verbraucher schadet seiner Gesundheit eigentlich nur dann, wenn er aufgrund der völlig überzogenen Horrormeldungen verschiedener Interessengruppen den Verzehr von Obst und Gemüse reduziert oder gar ganz einstellt.
Weitere Themen auf der Delegiertentagung der Fachgruppe Obstbau waren der nach wie vor unbefriedigende Situation in der Saisonarbeitskräfte- Verfügbarkeit, die Möglichkeiten zur Etablierung einer Mehrgefahrenversicherung in Deutschland und die Fortsetzung der Feuerbrandstrategie.
Wiederwahl Franz-Josef Müller
Franz Josef Müller ist auf der Delegiertentagung einstimmig in seinem Amt als stellvertretender Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau bestätigt worden.
AUSGABE 08/2010

Titelbild: Die Heidelbeersorte ‘Nui‘ ist gut für die Verfrühung im Folientunnel geeignet.
Leitartikel:
Steht der Naturschutz über dem Gesundheitsschutz?
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