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Archiv-Meldung vom 11.06.2008

Wiederholt kleinere Sauerkirschenernte in Europa - kein Grund für hektisches Marktverhalten

Fortsetzung des Meinungsaustausches zwischen europäischen Sauerkirschenexperten
Bereits seit vier Jahren treffen sich auf Einladung der Bundesfachgruppe Obstbau Experten aus Ungarn, Polen, Dänemark und Deutschland, um alle relevanten Marktdaten mit Bezug auf die Sauerkirschen zu analysieren. In diesem Jahr fand das Treffen am 01./02. Juni 2008 in Mühlhausen, Thüringen statt. „Durch den schwachen Fruchtansatz in allen wichtigen Anbaugebieten wird die Ernte auch in der Saison 2008 unterdurchschnittlich ausfallen. Die Anbauflächen nehmen europaweit ab, Neupflanzungen können die Rodungen nicht kompensieren. Auch die Preisentwicklung des Jahres 2007 hat zur Anbaustabilisierung nicht ausgereicht“, so lautet das gemeinsame Fazit der Expertenrunde. Besonders bei der Bewertung von Ernteschätzung und Erträgen muss die Flächenentwicklung berücksichtigt werden. Deshalb ist es unbedingt erforderlich, dass Sauerkirschen in die EU- Baumobsterhebung der EUROSTAT aufgenommen werden. Eine weitere wesentliche Grundlage für den intensiven und schnellen Austausch sind relevante Markt- und Anbaudaten. Deshalb werden die Gespräche auf der Basis der aktuellen Daten von ZMP und des Zentralen Statistischen Amtes Ungarn geführt.

Ernteerwartungen 2008
Die Ernteerwartungen für 2008 waren nach der weit unterdurchschnittlichen Sauerkirschenproduktion des Jahres 2007 hoch. Sie haben sich für die laufende Saison aber nicht bestätigt. Denn trotz einer starken Blüte ist in den meisten Ländern ein schwacher Fruchtansatz zu beobachten. Je nach Anbauregion zeichnen sich Einbußen von 15-40 % zum Vollertrag ab.
Ungarn erwartet eine Sauerkirschenernte von 59.000 t (15-20 % weniger als der Vollertrag). Die Frühsorten haben zwar weniger unter dem Fruchtfall gelitten, bleiben aber durch die Trockenheit kleinfruchtig.
In Polen zeichnet sich eine Ernte von 70-80 % der möglichen Vollernte ab. Ähnlich verhält es sich in Serbien, wobei durch Frühjahrsfröste z.T. sogar Ernteeinbußen von bis zu 50 % im Vergleich zu 2007 genannt werden.
Für Deutschland gehen die Experten von einem Minderertrag von 30-40 % aus.

Fazit der Diskussionen
• Die Gesamt-Lagerbestände aus 2007 sind weitestgehend abverkauft. Der gegenwärtige Preis der Glasware – hier hat es eine Erhöhung gegeben - lässt auf keinen Überhang zu Beginn der Kampagne 2008 schließen. Auch TK- Ware wird konstant am Markt nachgefragt, wesentliche Reserven sind nicht vorhanden.
• Der Mangel an Saisonarbeitskräften in Europa erschwert die Ernte. Ohne ausreichende Erlöse für die Erzeugerbetriebe kann es durch die höheren Lohnkosten zu einer beschleunigten Flächenreduzierung kommen. Dies würde den Verarbeitungsbetrieben längerfristig die Angebotsgrundlage entziehen. Der Strukturwandel bei den Konservenherstellern in Ungarn sorgt zwar für Unruhe unter den Beteiligten, übt aber keinen essentiellen Einfluss auf die Preisbildung aus.
• Schäden durch einen starken Monilia-Befall sind europaweit zu erwarten.
• Auch in der Vermarktung von Sauerkirschen gewinnt die Regionalität an Bedeutung. Um Regionalität auch in der Zukunft gewährleisten zu können, müssen die Produzenten ausreichende Erlöse erwirtschaften. Nur so wird es zu einer nachhaltigen Anbaustabilisierung kommen.
• Der Gesundheitswert der Sauerkirschen muss dem Verbraucher verstärkt vermittelt werden. Deshalb wiederholt die Expertenrunde die Forderung nach einer generischen Werbung, unterstützt durch die Europäische Union.
• Zusätzlich zu Ungarn, Polen, Dänemark und Deutschland werden zukünftig auch Experten aus den Niederlanden, Belgien und Serbien am Sauerkirschentreffen der Fachgruppe teilnehmen.
• Die Gesamternte 2008 in Europa (Ungarn, Deutschland, Polen, Serbien, Dänemark und Tschechien) wird auf 300.000 t bis 310.000 t geschätzt. Das sind 10-15 % weniger als im Mittel der vergangenen zwei Jahre. Es besteht demnach kein Grund für ein hektisches Marktagieren und den Abverkauf von Ware unter den Produktionskosten.
Die Notwendigkeit dieses Treffens ist für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unbestritten: „Dieses Gremium liefert fachlich fundierte Argumente und Daten, damit falsche Informationen keinen Einfluss auf das Marktgeschehen nehmen können.“ Die Zahlen, Daten und Fakten aus diesem Gespräch sind maßgeblich und bedeutend. Die Annahmen und Erwartungen dieser Expertenrunde haben sich in den vergangenen Jahren stets bestätigt.


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AUSGABE 01/2012
Titel Januar 2012


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Nationaler Aktionsplan - Vergangenes und Positives nicht vergessen!
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