Archiv-Meldung vom 29.11.2007
Verleihung der Ernst-Schröder-Münze an Dr. Walter Hartmann
Wir möchten einen Mann ehren, der sich wie kaum ein anderer für die Belange des deutschen Obstbaues eingesetzt hat. Denn Sie haben mit ihrer Arbeit als Züchter entscheidende Akzente für den deutschen Obstbau gesetzt.“ Mit diesem Worten eröffnete Gerhard Kneib, Vorsitzender der Bundesfachgruppe Obstbau, auf der Delegiertentagung am 21./22.11.2007 in Grünberg die Laudatio zur Verleihung der Ernst-Schröder-Münze an den Zwetschenzüchter Dr. Walter Hartmann. „Wir deutschen Obstbauern möchten Ihnen mit der Verleihung der Ernst-Schröder-Münze unseren Dank und die Anerkennung für die geleistete Arbeit ausdrücken.“Die Ernst-Schröder-Münze ist die höchste Auszeichnung des Zentralverbands Gartenbau (ZVG). Sie wird nur Personen verliehen, die sich in außerordentlicher Weise für den deutschen Gartenbau eingesetzt haben und keine ehrenamtlichen Funktionen in den berufsständischen Organisationen des ZVG wahrnehmen.
Und welch besseren Anlass als die Delegiertentagung hätte es geben können, um Dr. Hartmann mit dieser höchsten Auszeichnung des ZVG zu ehren – Vertreter aus allen Anbauregionen Deutschlands waren zugegen, als Gerhard Kneib Urkunde und Münze an Dr. Walter Hartmann überreichte. Denn in allen Regionen Deutschlands werden die Zwetschensorten angebaut, die Dr. Hartmann gezüchtet hat. ’Katinka’, ’Hanita’, ’Presenta’ und ’Hanka’ sind nur einige seiner Züchtungen, die heute zu den wichtigsten Sorten im deutschen Erwerbsobstbau zählen.
Eine ganz besondere Eigenschaft, die viele der Zwetschenzüchtungen von Dr. Hartmann einzigartig machen, ist ihre Hypersensitivität gegen den Erreger der Scharka-Krankheit. Dr. Hartmann war es, der diese Scharka-Immunität in der Sorte ’Jojo’ entdeckte und gezielt in seinen Zuchtprogrammen einsetzte. Abkömmlinge von ’Jojo’ zählen heute zu den wichtigsten Sorten in den Regionen, in denen ein Zwetschenanbau ohne diese Form der Resistenz gar nicht mehr möglich wäre.
Seit 1992 war Dr. Walter Hartmann Vorsitzender des Arbeitskreises Steinobst der Fachgruppe Obstbau und hat in dieser Zeit den Steinobstanbau in Deutschland maßgeblich geprägt. Mit seinem exzellenten Fachwissen, seiner ausgeprägten Durchsetzungskraft und mit der notwendigen Beharrlichkeit eines Züchters hat er sich engagiert für die Interessen des Steinobstanbaues eingesetzt.
Im April 2008 wird Dr. Hartmann in den Ruhestand treten. Er hat, mit Unterstützung der Fachgruppe Obstbau, dafür Sorge getragen, dass sein Lebenswerk fachkompetent weitergeführt wird. In einer engen Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München in Weihenstephan wird nun Dr. Michael Neumüller mit seinem Zuchtmaterial arbeiten. Aber für diese Arbeit sind finanzielle Mittel notwendig. Es muss sichergestellt sein, dass die Ergebnisse dieser Züchtungsbemühungen dem gesamten deutschen Obstbau zur Verfügung gestellt werden. Denn wenn sich die deutschen Obstbauern nicht an der Züchtung beteiligen, ist die Gefahr groß, dass die Nutzungsrechte neuer Sorten aus dem Weihenstephaner Zuchtprogramm nur auf bestimmte Nutzergruppen beschränkt werden. Deshalb hat die Fachgruppe den Spendenaufruf gestartet: „Was ist uns die Zwetschenzüchtung wert?“ Alle Obstbauern, die Interesse daran haben, dass in Deutschland auch in Zukunft erfolgreich Zwetschenzüchtung betrieben wird, werden dringend gebeten, diesem Aufruf nachzukommen. Damit das Lebenswerk von Dr. Hartmann bewahrt und weitergeführt wird. Im Sinne des deutschen Obstbaus.
Die Fachgruppe Obstbau wünscht Dr. Walter Hartmann für seinen Ruhestand alles Gute, vor allem Gesundheit, und hofft, dass er noch viele Jahre die Auswertung seiner Züchtungsprojekte fortführen und begleiten kann.
AUSGABE 01/2012

Leitartikel:
Nationaler Aktionsplan - Vergangenes und Positives nicht vergessen!
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