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Archiv-Meldung vom 08.10.2007

Forscher: Trotz Bio-Booms kein neues Ökobewusstsein

Trotz Rekordumsätzen bei Bio-Lebensmitteln sieht der Soziologe Stephan Lorenz von der Universität Jena keine Anzeichen für ein neues Ökobewusstsein in Deutschland. "Untersuchungen zeigen, dass der Griff zu Bio-Produkten zahlreiche Gründe hat. Nur ein geringer Teil der Kunden kauft tatsächlich mit ökologischem Bewusstsein", sagte der Jenaer Soziologe Stephan Lorenz in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Um spürbar nachhaltige Effekte zu erzielen, müsse sich die Einstellung der Konsumenten grundlegend ändern.
Der Bio-Markt mache bei den Umsätzen im Lebensmitteleinzelhandel trotz Wachstums lediglich drei Prozent aus. Nach Angaben des Bundes für Ökologische Lebensmittelwirtschaft stieg der Umsatz 2006 um 16 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro. Laut einer Umfrage des Bundes-Verbraucherministeriums greift inzwischen jeder zweite Deutsche regelmäßig zu Bio-Produkten. "Vielen Kunden ist es beim Einkauf aber wichtiger, dass die Produkte zum Beispiel gesund sind, als dass sie nachhaltig angebaut werden", sagt Lorenz, der sich seit 2001 mit dem Thema Bio-Konsum beschäftigt. Das zeige sich auch an anderen Trends, beispielsweise bei technisch optimierten Lebensmitteln wie probiotischem Joghurt. "Diese Produkte sind vielleicht gesund, haben mit nachhaltigem Anbau aber nichts zu tun."
Stephan Lorenz ist nicht der Ansicht, dass Diskussionen um den Klimawandel zu einem veränderten Umgang der Menschen mit Natur führen. "Wie weit jemand in der Praxis für Nachhaltigkeit ist, hängt von den damit verbundenen eigenen Einschränkungen ab. Zu welchen persönlichen Änderungen bin ich im Alltag bereit?" Je radikaler die Forderungen, desto eher würden Kunden die Idee als "Öko-Spinnerei" abtun, sagte der 35-Jährige. "Für viele ist es schon öko, wenn sie einfach das tun, was sie immer gemacht haben - nur mit Öko-Etikett." Statt normaler Erzeugnisse Bio-Produkte zu kaufen sei ein guter Ansatz, aber: "Die Frage ist, ob das reicht." Mit dem Wachstum des Bio-Marktes spielten wirtschaftliche Gesetze eine immer größere Rolle, sagte der Soziologe. "Die Ökologie wird mit dem normalen Marktgeschehen kompatibel gemacht. Die Gefahr ist, dass dabei die ökologischen Anliegen verloren gehen."
Ein Problem sieht Stephan Lorenz im ganzjährigen Angebot. "Der Kunde verlangt jederzeit an jedem Ort jedes Produkt und vergisst: Erdbeeren zu Weihnachten sind immer unökologisch, auch wenn da Bio draufsteht." Diese Früchte seien entweder in energieintensiven Gewächshäusern angebaut oder um die halbe Welt transportiert worden. "Ein Bio-Siegel sagt zwar etwas über Art und Qualität des Anbaus aus, aber nichts über den Anbauort des Produkts."

aus OBSTBAU 10/2007
Das Gespräch führte: Olliver Hollenstein, dpa



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AUSGABE 05/2008
Titel OBSTBAU - Mai 2008
Titelbild: Die Hummel ist ein wichtiger Bestäuber in Obstanlagen


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Leitartikel:
Erfolge sachgerecht erstritten - Aufgaben bleiben
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