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Archiv-Meldung vom 04.06.2007

Sauerkirschmarkt 2007 – Ware knapp

Europäische Sauerkirschenexperten tagten in Dresden

Die massiven Auswirkungen von Spätfrösten auf die Sauerkirschenernte waren das Hauptthema beim Treffen europäischer Sauerkirschenexperten. Vertreter des ungarischen interprofessionellen Obst- und Gemüseorganisationsverbandes FruitVeb, des polnischen Erwerbsobstbaus und der deutschen Fachgruppe Obstbau trafen sich am 29./30. Mai 2007 in Dresden, um die derzeitige Lage und die Auswirkungen der Fröste auf den Sauerkirschmarkt zu analysieren. „Wir müssen uns in diesem Jahr auf eine außerordentlich geringe Ernte einstellen, und dies wird Auswirkungen auf die Preise haben“, so die einhellige Meinung der Experten. „Denn die Sauerkirschernte 2007 wird deutlich geringer ausfallen als die Vollernte 2004 und die mittlere Ernte 2006. Die Ernte 2007 ist damit die schlechteste Ernte seit zehn Jahren.“ Sauerkirschen müssen in der Saison 2007 nicht unter den Gestehungskosten verkauft werden. Im Gegenteil – nach den Aussagen werden Sauerkirschen zu einer gefragten Ware in diesem Jahr werden.

Zweimaliger Kaltlufteinbruch in Polen …
Zwei Wellen von Kaltluft haben im Obstbau Polens enorme Schäden verursacht. Die erste traf Polen am 21./23.April und ließ die Temperatur bis auf -8°C absinken, die zweite folgte am 30.April/2.Mai und war bei Temperaturen bis zu -9°C noch zerstörerischer. In beiden Fällen war Polens wichtigstes Anbaugebiet Mittelpolen am stärksten betroffen. In Ost- und Westpolen unterschritten die Temperaturen nur beim zweiten Kaltlufteinbruch kritische Werte, die Schäden sind dort geringer.

… und Ungarn
Ungarn traf der Kaltlufteinbruch jeweils einen Tag später. Die Temperaturen fielen bis -3/-4°C bei der ersten, bis -5/-7°C bei der zweiten Welle. Dies war tief genug, um in einigen Landesteilen – besonders in Nord- und Ostungarn - gravierende Schäden zu verursachen. Die stärksten Schäden sind im Nordosten und im Norden zu verzeichnen, den bei Sauerkirschen mit einem Anteil von drei Vierteln der Produktion wichtigsten Gebieten.
Die Wirkung der Fröste war in beiden Ländern deshalb besonders verheerend, weil sich die Blüten der Sauerkirschen nach einem frühen Vegetationsbeginn schon in einem empfindlichen Stadium befanden, bei der ersten Welle meist im Ballonstadium, bei der zweiten in der Vollblüte, und weil vorgeschädigte Blüten durch den zweiten Frost vollends erfroren sind.

Die aktuelle Situation:
So beurteilen die anwesenden Experten die Situation in ihren Ländern im Einzelnen:
• In Polen wird mit einer Ernte von 80.000 bis 90.000 t gerechnet im Vergleich zu 193.000 t im Jahr 2006. In diese Schätzung ist der noch nicht abgeschlossene natürliche Fruchtfall (Röteln) nicht voll eingerechnet. Eine ähnlich niedrige Ernte war zuletzt im Jahr 1991 zu verzeichnen zu einer Zeit vor Beginn der starken Anbauausweitung. Da Polens Ernte vor allem zu Konzentrat und TK-Ware verarbeitet wird – 2006 entfielen von 150.000 t Gesamtverarbeitung 60% auf Konzentrat und 40% auf TK - wird der Export dieser Produkte massiv zurückgehen. Der Preis der TK-Ware ist in den letzten Wochen bereits deutlich gestiegen.
• In Ungarn wird nur mit einer Ernte von 36.000 t Sauerkirschen gerechnet, im Jahr 2006 waren es noch 58.000 t. Die Situation ist vergleichbar mit dem Jahr 2000, als 38.000 t geerntet wurden. Da der Bedarf der heimischen Verarbeitungsindustrie, die 2006 ca. 40.000 t verarbeitet hat, davon 38.000 t zu Konserven, vorrangig gedeckt wird, ist mit einem erheblichen Rückgang der Exporte frischer Verarbeitungsrohware zu rechnen.
• In Deutschland wird nach einer Erhebung der ZMP bei den Erzeugerorganisationen mit einem Rückgang des Aufkommens um ca. 15% gerechnet. Ein leichter Rückgang im Westen ist vor allem massiven Rodungen auf Grund der Preismisere und der fehlenden Verfügbarkeit von ausländischen Saisonarbeitskräften zuzuschreiben. In Thüringen konnten 2006 über 500 t nicht abgeerntet werden, da Saisonarbeitskräfte fehlten. Im Osten tragen leichte Frostschäden in ungünstigen Lagen, die Trockenheit im April und Hagelschäden zu einem etwas stärkeren Rückgang im Vergleich zur Ernte 2006 bei. Insgesamt kann man von normalen Erträgen ausgehen, sofern sich das Röteln im Rahmen hält. Auf die Gesamtproduktion hochgerechnet sind rund 27.000 t zu erwarten nach einer Ernte von 31. bis 32.000 t im letzten Jahr.

Die Aussichten in wichtigen Produktionsländern, die beim Treffen nicht vertreten waren, werden wie folgt eingeschätzt:
Serbien: normale Ernte, 2006 wurden 81.000 t geerntet. Die Ernte wird primär zu Saft verarbeitet. Das Sortenspektrum entspricht wegen der geringen Fruchtgröße nicht den Anforderungen für Konserven.
Ukraine: keine Frostschäden, normale Ernte, d.h. mehr als die leicht defizitäre Ernte 2006 von ca. 150.000 t. Über 90% der Produktion stammen aus Hausgärten und dienen der Eigenversorgung.
USA: nach einem Kaltlufteinbruch in der Osterwoche ist der Behang im Mittelwesten schwach. Insgesamt dürfte die Ernte kleiner ausfallen als im Vorjahr (120.000 t), aber nicht so schlecht wie im letzten Frostjahr 2002.

10 Punkte-Erklärung
Ergebnis der Analysen und Diskussionen des Treffens ist die folgende gemeinsame 10-Punkte-Erklärung der Verbände zum Sauerkirschenmarkt
1. In den relevanten Anbauländern Mitteleuropas ist mit der niedrigsten Ernte in diesem Jahrzehnt zu rechnen. Für die fünf Länder (PL, YU, HU, DE, CZ) wird eine Ernte in der Größenordnung von 240.000 t erwartet, gegenüber der guten Ernte 2006 von 380.000 t ist dies ein Rückgang um fast 40%! Selbst die schwachen Ernten von 2005 und 2000 mit jeweils ca. 285.000 t werden noch deutlich unterschritten. Sauerkirschen werden dadurch zu einer gefragten Ware werden.
2. Die Bestände sind bei allen Verarbeitungserzeugnissen überschaubar. Alle Konservenbestände sind in festen Händen. Der Überhang zu Beginn der neuen Kampagne wird etwa dem Bedarf eines Monats entsprechen, während es im Vorjahr keinen Puffer mehr gab. Die Konzentratbestände wurden dank der wachsenden Nachfrage Russlands gut abgebaut, sind aber, wie auch die Bestände an TK-Ware, etwas größer als im Vorjahr.
3. Die Ernte wird in allen Ländern etwa zwei Wochen früher starten als normal.
4. Durch die defizitäre Ernte in Nordost-Ungarn entfällt der Druck durch den wichtigsten Konkurrenten des deutschen Anbaus. Ungarn wird wenig Rohware exportieren, um die Kapazitäten im eigenen Land einigermaßen auszulasten.
5. Russland wird ein immer interessanterer Markt für frische Sauerkirschen. So konnte der Export von Ungarn nach Russland im Jahr 2006 auf über 1.600 t gesteigert werden. Der russische Markt entwickelt eine starke Sogwirkung auf ungarische, aber auch polnische Tafelware.
6. Die Flächenentwicklung bei Sauerkirschen in Deutschland weist von 2002 bis 2007 einen Rückgang um 13 % aus. Damit beläuft sich die Sauerkirschenfläche auf nur noch 3.600 Hektar
7. In Deutschland und auch in Ungarn findet auf Erzeugerebene eine verstärkte Konzentration des Angebotes statt.
8. Mangelnde Verfügbarkeit von motivierten Saisonarbeitskräften führte in allen Ländern zu einer teilweisen nicht mehr termingerechten Ernte. Die weitere Entwicklung des Anbaues von Sauerkirchen ist deshalb von einer großen Unsicherheit bedingt.
9. Angesichts der gestiegenen Bedeutung des Sauerkirschenanbaus in der EU nach der Erweiterung wird die EU aufgefordert, Sauerkirschen in die Liste der zu erhebenden Obstarten bei der EU-Baumobsterhebung aufzunehmen.
10. In Form einer generischen Werbung soll der Gesundheitswert von Sauerkirschen stärker im Bewusstsein der Verbraucher verankert werden. Es wird bei der EU ein gemeinsamer ein Antrag gestellt, diese Form der generischen Werbung zu unterstützen.

Die Vertreter aus Polen, Ungarn und Deutschland haben vereinbart, weiterhin alle relevanten Marktdaten zu analysieren und zeitnah auszutauschen. Durch abgesicherte Daten kann belegt werden, dass niedrige Preise weder den Absatz noch den Konsum erhöhen. Alle Marktbeteiligten müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein!
FruitVeB, ungarischer interprofessioneller Obst- und Gemüseverband
Verein für die Entwicklung intensiver Obstanlagen, Polen

Fachgruppe Obstbau im Bundesausschuß Obst und Gemüse
Dresden, den 30.05.2007


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AUSGABE 01/2012
Titel Januar 2012


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Leitartikel:
Nationaler Aktionsplan - Vergangenes und Positives nicht vergessen!
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