Anbaugebiete / Regionalberichte
Obstbau in Südoldenburg
Die Region Südoldenburg liegt im nordwestlichen Teil von Niedersachsen und umfasst die
Landkreise Vechta und Cloppenburg. Vielfach wird die Region auch als "Oldenburger Münsterland“ bezeichent.
Dies hat seinen Ursprung in der Jahrhunderte langen politischen und kirchlichen Zugehörigkeit
der überwiegend katholischen Bevölkerung zum Bistum Münster. Anfang des 19. Jahrhunderts
kam die Region politisch zum Herzogtum Oldenburg, blieb aber kirchlich bis heute beim Bistum Münster.
Wenn heute von der Obstregion Südoldenburg gesprochen wird, ist damit das gesamte Weser-Ems-Gebiet
gemeint. Also in etwa das Gebiet von der Nordsee bis an den Teutoburger Wald sowie von der niederländischen
Grenze bis an die Weser. Der Ursprung und auch der heutige Schwerpunkt des Obstbaues, befindet
sich im Oldenburger Münsterland um den Ort Langförden. Abgesehen von der Region um Langförden
und dem Osnabrücker Hügelland mit Lößböden, herrschen im Weser-Ems-Gebiet
leichte Sand- und teilweise Moorböden vor, an der Nordsee sowie entlang der Weser und der
Ems auch Marschböden. Eine Besonderheit des Weser-Ems-Gebietes sind die durch jahrhunderte
lange Plaggenwirtschaft entstandenen kleinräumigen Eschböden, die sich durch einen hohen
Humusgehalt auszeichnen.
Das Klima der Region ist stark von der Nordsee beeinflusst mit überwiegend milden Wintern
und kühlen Sommern. Die Jahresdurchschnittstemperatur im 30 jährigen Mittel beträgt
9,5 °C und die jährliche Niederschlagsmenge leigt bei 775 mm.
Bedingt durch die relativ tiefgründigen Lößlehmböden in der Region Langförden
hat sich schon gegen Ende des 19. Jahrhunderts ein bäuerlicher Obstbau mit Apfelhochstammanlagen
und Zwetschenanbau entwickelt. Um 1935 begann der Betrieb Siemer mit dem intensiven Apfelanbau
auf Niederstamm. Bedingt durch einen hohen Bedarf an Äpfeln und entsprechend guten Preisen
begannen viele Landwirte nach dem zweiten Weltkrieg mit dem Anbau von Äpfeln. Zur Unterstützung
des Anbaus wurde Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre, der Obstbauberatungsring Südoldenburg,
eine Versuchsanstalt und eine Absatzgenossenschaft gegründet. Bis zur Kernobstkrise in den
60er Jahren wurde vornehmlich um Langförden herum Kernobst angebaut. Danach sind die Kernobstanlagen
in nur wenigen Jahren dem Beerenobst, in erster Linie der Erdbeere, gewichen. Im Laufe der Jahre
erfolgte eine Ausbreitung des Beerenobstanbaus im gesamten Weser-Ems-Gebiet.
Der Erdbeeranbau im Spätgebiet um Langförden hat sich in den letzten Jahren ganz stark
auf die Pflanzung von Frigo A+ Kulturen eingestellt. Die A+ Kulturen werden Anfang bis Mitte Mai
so gesetzt, dass die Ernte im Anschluss an die Normalernte und im Anschluss an süd- und westdeutsche
Frühgebiete erfolgt. Durch die meist kühle Witterung im Mai gibt es gute Wachstumsbedingungen
für die äußerst intensive und empfindliche A+ Kultur.
Beim Strauchbeerenobst überwiegt die Himbeere. Aber auch die Anbaufläche der Heidelbeere
ist in den letzten Jahren angestiegen. Da abgesehen von abgetorften Moorflächen, von Natur
aus geeignete Standorte für Heidelbeeren kaum zur Verfügung stehen, wird der Boden durch
die Einbringung von Torf oder ähnlichem saurem, organischen Material „heidelbeerfähig“ gemacht.
Der Obstanbau, besonders der Erdbeeranbau, findet überwiegend in landwirtschaftlichen Betrieben
als Betriebszweig statt. Daneben wird Ackerbau und eine intensive tierische Veredlungswirtschaft
betrieben.
Inzwischen gibt es aber auch einige Spezialbetrieb, die ausschließlich Obst- und oder Gemüsebau
betreiben.
| Sorten | Gesamtfläche | Bemerkung | |
| Erdbeere | Hauptsorte: Elsanta. Außerdem Honeoye, Korona, Polka und Darselect | 1.700 ha | Anbau-schwerpunkt Langförden |
| Himbeere | Hauptsorte: Tulameen. Früher Schönemann | 80 ha | Tulameen: oft Probleme mit Gesundheit in den Anlagen |
| Heidelbeere | Bluecrop, Reka, Duke | 75 ha | |
| Apfel | Elstar, Jonagold, Gala, Rubinette, Braeburn, Pinova | 110 ha | Gala und Rubinette: sehr große Probleme mit Obstbaumkrebs |
| Pflaume | Ortenauer, Hauszwetsche, Schönberger | 24 ha |
Die
Erdbeerproduktion um Langförden geht zu über 95 % an den Lebensmitteleinzelhandel. Im
weiteren Weser-Ems-Gebiet finden sich daneben auch Direktvermarkter. Der größte Teil
der Langfördener Erdbeerproduktion, aber auch Himbeeren und Kernobst, wird über
den Erzeugergroßmarkt Langförden Oldenburg e.G. (ELO) vermarktet. Der Erzeugergroßmarkt
hat in den letzten Jahren eine enorme Aufwärtsentwicklung verzeichnet und ist mittlerweile
der größte Einzelvermarkter für Erdbeeren in Deutschland. Das sich der Erdbeeranbau
um Langförden in den letzten Jahren so stark ausgedehnt hat, hat sicherlich auch mit der
Leistungsfähigkeit des Großmarktes und der Beratung zu tun. Andererseits zeichnen sich
die Langfördener Erdbeerbetriebe auch durch eine große Innovations- und Risikobereitschaft
aus. Ein weiterer Teil der Produktion wird über Obstgroßhändler vermarktet,
die ebenfalls den Lebensmitteleinzelhandel beliefern. Neben dem Absatz innerhalb des gesamten
Bundesgebietes wird inzwischen auch nach Frankreich, Italien und Skandinavien exportiert.
In den 60er und 70er Jahren wurde ein Großteil der Erdbeeren durch Selbstpflücke abgesetzt.
Diese Vermarktungform gibt es um Langförden so gut wie gar nicht mehr, sondern nur noch bei
einigen Direktvermarktern im Raum Osnabrück und Ostfriesland.
Die Beratung der Obstbaubetriebe in Weser-Ems wird vom Obstbauberatungsring Südoldenburg e.V. durchgeführt. Die Finanzierung des Beratungsringes erfolgt zum größten Teil aus den Mitgliedsbeiträgen der Betriebe. Es erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit der Versuchs- und Beratungsstation für Obst- und Gemüsebau (VBOG) in Langförden. Träger der Versuchsanstalt ist die Landwirtschaftskammer Weser-Ems in Oldenburg. Dadurch, das Versuchsanstalt und Beratung in einem Hause untergebracht sind, ergibt sich eine auf die Belange der Praxis ausgerichtete Versuchsarbeit. Umgekehrt werden Versuchsergebnisse über die Beratung direkt in die Betriebe gebracht.
Kontakt:
Obstbauberatungsring
Südoldenburg e.V.
Albert Nordmann
Spredaerstr. 2
49377 Vechta-Langförden
Telefon: 04447 / 962313
Telefax: 04447 / 326
E- Mail: obr.nordmann@lwk-we.de