Startseite | Impressum | E-Mail

Anbaugebiete / Regionalberichte

Obstbau in der Rheinland-Pfalz

Pfeil
Das Anbaugebiet

Im erwerbsmäßigen Obstbau in Rheinland-Pfalz haben sich durch die natürlichen Standortfaktoren einige regionale Schwerpunkte herausgebildet:

1. Pfalz
Südlichstes Anbaugebiet ist die Pfalz am Hardtrand (Landkreise Bad Dürkheim, Südliche Weinstraße und Germersheim) mit Schwerpunkt Kernobst. Das Gebiet umfaßt drei ökologisch unterschiedliche Regionen mit folgenden Schwerpunkten:

  • Die Nordpfalz mit dem Zentrum am Donnersberg, ein prädestiniertes Gebiet für Spätobst sowie Birnen.
  • Die Vorderpfalz mit ihren leicht erwärmbaren, sandigen Böden, eines der frühesten Anbaugebiete Deutschlands: Anbauschwerpunkte sind Äpfel, Zwetschen und Kirschen mit dem Zentrum Weisenheim am Sand.
  • Die Südpfalz, südlich von Landau gelegen, ein Gebiet mit besten Lößböden und reichlich Niederschlägen. Hier dominiert der Apfelanbau.

Aufgrund der Dominanz des Weinbaues gehört die Pfalz zwar zu den kleineren Anbaugebieten in Deutschland, doch klimatisch gesehen gehört sie zu den Größten. Eine durchschnittliche mittlere Jahrestemperatur von rund 10 °C sowie über 1700 Sonnenscheinstunden je Jahr machen die Pfalz zu einem bevorzugten Obstanbaugebiet. Dies erkannten schon die Römer, die den Obstbau in diese Region  mitbrachten: Auch Ludwig I. pries die Pfalz seinerzeit als “Garten Deutschlands”. Neben den heimischen Obstarten gedeihen in dem Weinbauklima auch exotische Früchte wie Kiwi, Feigen, Mandeln und Nashis (Asienbirne).

2. Rheinhessen
Das aus der Rheinschleife von Worms über Mainz zur Nahemündung in Bingen gebildete Dreieck umreißt die geographische Lage von Rheinhessen. Geschützt von Hunsrück und Taunus aus nördlicher und Odenwald aus östlicher Richtung ergibt sich ein für Wein- und Obstbau günstiges Klima. Höhen über NN 80 - 90 m im Rheintal steigen auf 100 bis 150 m in der Übergangsterrasse und schwanken bis 250 m im Rheinhessischen Hügelland. Dem folgt die Jahrestemperatur mit 9,9° C im Rheingraben, abfallend bis ca. 9,5° C in Alzey bei etwa 1700 Sonnenstunden. Langjährige Niederschläge liegen zwischen 490 bis 560 mm mit Trockenperioden im Frühjahr und Spätsommer. Böden der Rheinniederung sind neben schmalen Schwemmlandablagerungen überwiegend leichte meist kalkhaltige Sande, die bis in Hanglagen anstehen, gefolgt von kiesigen Böden bis zu Ton- und Kalkmergeln, während auf dem Plateau Lößböden wechselnder Mächtigkeit vorherrschen. Das Kleinklima und Bodenwerte zwischen 18 bis 86 ergeben damit stark wechselnde Bedingungen und bestimmen die Kulturart. Ein meist hoher Kalkgehalt setzt Grenzen, so dass Unterlagen - wie Sortimentsfragen - sehr differenziert zu sehen sind. Reifeverschiebungen bis zu 14 Tage verlängern die Erntezeit, wie sie den Anbau von Frühsorten in Spätlagen ausschließen. Totalausfälle durch Spätfrost wurden bisher jedoch dadurch vermieden. Schwerpunkt in dieser Region ist der Anbau von Sauerkirschen mit 69 % der rheinland-pfälzischen Fläche. Ebenso finden sich 59 % der Pflaumen und Zwetschenflächen, etwa 50 % der Süßkirschflächen und circa ein Drittel der Kernobstfläche in diesem Gebiet.

3. Koblenz-Neuwieder Becken
Das Gebiet Koblenz-Neuwieder Becken ist geprägt durch den Ausbruch des Laacher Vulkankraters vor 13.000 Jahren. Aus der Eruptionswolke lagerten sich Bimsschichten auf der umgebenden Landschaft ab. Sowohl Bims als auch Lava werden heute in zahlreichen kleineren und mittleren Unternehmen als Baustoff abgebaut und aufbereitet. Die Bimskügelchen machen den Boden leicht und gut erwärmbar. Der Raum Koblenz ist ein typisches Steinobstgebiet, mit 5 % im Anbau spielt Kernobst eine untergeordnete Rolle.

4. Grafschaft
Charakteristisch für das Gebiet der Gemeinde Grafschaft sind schwere Lößlehmböden und im Untergrund große Tonvorkommen. Der Humusgehalt liegt oft nur bei1 %, nutzbare Grundwasservorkommen sind erst ab einer Tiefe von 80 m zu erwarten. Die für Landwirtschaft und Obstbau an sich gut nutzbaren Böden neigen zu Verdichtungen im Unterboden (60 - 80 cm). Obstbaulich dominieren hier der Kernobst- und Erdbeeranbau, als Spätgebiet ist die Grafschaft zunehmend auch für den Steinobstanbau interessant.

5. Region Trier
Die Region Trier stellt die vierte größere Obstregion in Rheinland-Pfalz dar. Sie war früher stärker geprägt durch den Anbau von Verwertungsobst, in den letzten Jahren entstanden zahlreiche moderne Obstanlagen, vor allem Kernobst, deren Produkte überwiegend in der Region vermarktet werden.




Pfeil
Bedeutung des Obstbaus

Im größten Weinbau-Bundesland stellt der Erwerbsobstbau mit ca 5000 ha Baumobst, bewirtschaftet von 1700 Betrieben, einen wichtigen Wirtschaftsfaktor dar. Im bundesweiten Vergleich der Flächen kommt der Obstbau nach Baden-Württemberg und Niedersachsen auf den dritten Platz (Obstanbauerhebung 2002). Hinzu kommen 400 ha Erdbeeren. Der größte Teil wird nach den Richtlinien der Integrierten Produktion angebaut, der Anteil der biologisch erzeugenden Betriebe nimmt zu.




Pfeil
Welche Obstarten werden angebaut?

Obstarten in Rheinlan-Pfalz

Der Reihenfolge nach werden Äpfel (37,5%), Sauerkirschen (23,3%) und Pflaumen/Zwetschen (20,2%) angebaut. Süßkirschen wachsen auf 8,6 % der Fläche, gefolgt von Birnen mit 5,3%. Verbleibende 5 % der Baumobstfläche entfallen auf andere Obstarten wie Mirabellen und Renekloden (159 ha / 3,3 %), Pfirsiche (43 ha / 0,9 %), Aprikosen (29 ha / 0,6 %) und Walnüsse.

  Fläche in Deutschland prozentualer Anteil Fläche in
Rheinland-Pfalz
prozentualer Anteil
Äpfel 31.219 ha 64,9 % 1.823 ha 37,5 %
Birnen 2.090 ha 4,3 % 256 ha 5,3 %
Süßkirschen 5.366 ha 11,2 % 416 ha 8,6 %
Sauerkirschen 4.197 ha 8,7 % 1.133 ha 23,3 %
Pflaumen und Zwetschen 4.519 ha 9,4 % 984 ha 20,2 %

Sonstiges

702 ha 1,5 % 246 ha 5,1 %
Gesamt 48.093 ha 100,0 % 4.858 ha 100,0 %
Flächendaten wurden entnommen aus Statistische Monatshefte Rheinland-Pfalz 2/2003

Im Vergleich der Anbauflächen in Deutschland ist der Anteil Sauerkirschen, Pflaumen und Zwetschen bzw. sonstiges Baumobst zum Stichtag der Erhebung 2002 in Rheinland-Pfalz überdurchschnittlich hoch. Flächenmäßig ist der Anteil Apfel im Bundesvergleich niedriger.




Pfeil
Vermarktung und Absatzwege

Vier Großmärkte sorgen für die Beschickung der benachbarten Ballungsgebiete, wobei auch hier derzeit ein Fusionsprozess stattfindet und sich die Einzugsgebiete ändern:
In der Region Pfalz, benachbart zum Ballungsgebiet Rhein-Main-Neckar, betreiben die VOG Weisenheim am Sand sowie der Pfalzmarkt in Schifferstadt den Absatz auf der genossenschaftlichen Ebene. Hier ist die Direktvermarktung in Form des Ab-Hof-Verkaufes, oft kombiniert mit dem Weinbau, besonders stark ausgebreitet. Direktvermarkter sind erkennbar am roten Aromaobst-Apfel.
In Rheinhessen, im Rhein-Main-Gebiet gelegen, befindet sich 50 % der rheinland-pfälzischen Obsterzeugung mit dem klaren Schwerpunkt bei Steinobst. Genossenschaftlicher Vermarkter ist die VOG Ingelheim, gleichzeitig Deutschlands führender Süßkirschen- und Sauerkirschenvermarkter. Aufgrund der Größe des Gebietes ist der Direktvermarktungsanteil geringer als in der Pfalz.
Am Mittelrhein (Koblenz-Neuwieder Becken, untere Mosel) dominiert ebenfalls eindeutig der Steinobstanbau. Das Obst wird über die Genossenschaft Landgard in Bornheim-Roisdorf mit Schwerpunkt im Ruhrgebiet vermarktet. Auch im Landkreis Ahrweiler an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen wird über Landgard vermarktet, hier hauptsächlich Erdbeeren und Kernobst.
Die Region Trier stellt geografisch und vom Absatz her eine Insellage dar. In diesem kleinen Gebiet ist die Direktvermarktung stark entwickelt. Erst in neuester Zeit wurde ein grenzüberschreitendes Vermarktungsprojekt mit dem Nachbarland Luxemburg ins Leben gerufen. Über die Organisation EWIV/R.O.L.T (Region Obst Luxemburg/Trier) vermarkten Trierer und Luxemburger Betriebe unter der Marke „Eist Uebscht“ grenzüberschreitend vorwiegend Äpfel. Das Projekt erhielt 2005 den Innovationspreis des deutschen Gartenbaues.




Pfeil
Beratung und Versuchswesen

Träger von Versuchswesen und Beratung ist das Land Rheinland-Pfalz. Beide sind in einer organisatorischen Einheit gebündelt, dem Kompetenzzentrum Gartenbau innerhalb des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR)  Rheinpfalz. Dadurch ist eine enge Abstimmung in einem Bundesland mit vergleichsweise vielfältigen Obstkulturen und Absatzwegen sichergestellt. In der rheinland-pfälzischen Agrarverwaltung gilt das Prinzip, dass die Berater gleichzeitig eigene Versuche durchführen und Unterricht an Berufs- und Fachschule erteilen. Dies bedeutet eine positive Rückkopplung in zweierlei Hinsicht: Der Betrieb und die Fachschüler erhalten hochaktuelle Informationen und aus der Beratung heraus entwickeln sich Versuchsanstellungen mit höchstem Praxisbezug.
Aufgrund der flächenmäßig weiten Verteilung der Anbaugebiete innerhalb des Landes werden Versuchswesen und Beratung dezentral durchgeführt: Ahrweiler/Klein-Altendorf (Norden des Landes), Oppenheim (Rheinhessen) und Neustadt (Pfalz) sind neben Beratungsstandorten gleichzeitig auch Versuchsstandorte, das an der luxemburgischen Grenze gelegene Trier ist Beratungsstandort. Neben der regionalen Bindung der Obstbauern an ihre Beratung wird deren Fachwissen in Form von Spezialberaterfunktionen für das gesamte Land verfügbar gemacht.
Das Versuchswesen wird in Aufgabenteilung durchgeführt. Dies wird durch die Fachaufsicht des Kompetenzzentrums Gartenbau und die Arbeit in Arbeitsgruppen, z.B. Pflanzenschutz, sichergestellt.

Beratung und Verkauf

(angegebene AK-Zahlen nur Außenbetrieb, ohne Versuchstechniker, ohne Auszubildende)

Da der Standort Klein-Altendorf aufgrund eines Kooperationsvertrages in das Versuchsgut der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn eingebunden ist, besteht hier eine Schnittstelle, an der die obstbauliche Kompetenz der Universität mit der des Landes Rheinland-Pfalz zum Nutzen der Obstbaubetriebe gebündelt wird.
Darüber hinaus arbeitet das KoGa in vielen Projekten intensiv mit den obstbaulichen Versuchs- und Forschungsstationen des In- und Auslandes zusammen.




«« zurück

 

Kontakt:

Dienstsitz Ahrweiler/Klein-Altendorf
Walporzheimerstr. 48
53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler
Tel.: 02641-9786 0
E-Mail: dlr-3.koga@dlr.rlp.de

Versuchsschwerpunkt:
Kernobst, ökologischer Obstbau, Heil- und Gewürzpflanzen, geschützter Süßkirschenanbau


Dienstsitz Oppenheim:
Wormser Str. 111
55276 Oppenheim
Tel.: 06133-930 209
E-Mail: dlr-3.koga@dlr.rlp.de

Versuchsschwerpunkt:
Steinobst


Dienstsitz Neustadt/Weinstraße
Breitenweg 71
67435 Neustadt/Weinstraße
Tel.: 06321-671-367
E-Mail: dlr-3.koga@dlr.rlp.de

Versuchsschwerpunkt:
Pflanzenschutz, Beerenobst, Versuchsbrennerei


Dienstsitz Trier:
Tessenowstr. 6
54295 Trier
Tel.: 0651-9976 303
E-Mail: dlr-3.koga@dlr.rlp.de

Aufgabenschwerpunkt:
Regionalberatung Trier



Weitere Informationen:
www.obstbau.rlp.de