Anbaugebiete / Regionalberichte
Obstbau in der Neckarregion
Die Neckarregion ist geprägt durch eine vielseitige landwirtschaftliche Produktion. Neben
intensivem Ackerbau und Viehhaltung wird aufgrund der klimatischen Voraussetzungen Obst, Wein
und Gemüse produziert. Auch die Streuobstbestände sind landschaftsprägend und werden
vielerorts intensiv betreut.
Die Neckarregion umfasst die Landkreise Ludwigsburg, Rems-Murr, Heilbronn, Hohenlohe und Schwäbisch-Hall.
Auf ca. 1870 ha Baumobstfläche und 680 ha Beerenobstfläche wird hier nachhaltiger Obstanbau
betrieben.
Der südliche Teil der Neckarregion ist vordergründig geprägt durch die Direktvermarktung.
Das Stuttgarter Einzugsgebiet ist ein aufnahmefähiger Markt für die gartenbaulichen
Produkte aus dem Rems-Murr Kreis und dem Ludwigsburger Raum. Aber auch der genossenschaftliche
Anbau wird insbesondere im Großraum Backnang praktiziert und nimmt auch im Ludwigsburger
Raum in jüngster Zeit wieder zu.
Im Großraum Heilbronn wird neben dem Kernobst verstärkt Beerenobst angebaut. Aufgrund
der hohen durchschnittlichen Jahrestemperatur von 9,7 °C gehört diese Region mit zu den
frühesten deutschen Anbaugebieten. Gerade für Erdbeeren und frühe Apfelsorten wird
diese Frühzeitigkeit genutzt. Auch schwarze Johannisbeeren für die industrielle Vermarktung über
die BayWa werden dort verstärkt angebaut, wenngleich der Anbau aufgrund der konkurrierenden
Einfuhren aus den östlichen Produktionsländern, insbesondere Polen, leicht rückläufig
ist.
Im östlichen Teil der Neckarregion, im Landkreis Hohenlohe und Schwäbisch-Hall überwiegt
der Anbau von Äpfeln, Birnen und Zwetschgen für die genossenschaftliche Vermarktung.
Da diese Region Weinbauklima besitzt, wird auch hier ein modernes Tafelobstsortiment angebaut.
Insbesondere in den Einzugsgebieten von Heilbronn und Stuttgart haben sich viele Betriebe für
die Direktvermarktung entschieden und bauen daher ein sehr breites Obstsortiment an. Die genossenschaftliche
Vermarktung über die Württembergische Obstgenossenschaft mit ihrem Vertragsvermarkter
der BayWa erfährt aber gerade in jüngsten Jahren Auftrieb und ist für den Obstanbau
prägend.
Hauptkultur ist der Apfel. Das Hauptsortiment umfasst Elstar, Gala, Rubinette, Pinova, Jonagold,
Golden Delicious, Braeburn und Fuji. In den Frühlagen werden verstärkt Frühsorten
wie Piros, Delbard Estivale und Summerred angebaut. Idared und Gloster verschwinden zunehmend,
Boskoop bleibt auf geringem Flächenniveau stabil. Mitglieder der Württembergischen Obstgenossenschaft
bauen darüber hinaus den im geschlossenen Club zu vermarktenden Cameo an und seit der Einführung
im Jahre 2005 auch Kanzi.
Im Bereich Erdbeeren wird die Frühzeitigkeit ausgenutzt. Daher werden hauptsächlich
Clery, Darselect und Elsanta angebaut. Lediglich in der Direktvermarktung spielen darüber
hinaus spätere Sorten eine Rolle. Der Anbau unter geschützten Bedingungen bspw. im Folientunnel
wird ausgedehnt.
Birnen werden mit dem Standardsortiment auf lediglich ca. 9% der Baumobstfläche angebaut.
Zwetschgen umfassen das derzeitige Standartsortiment, innovativere Betriebe sind auch den stetig
zunehmenden Neuzüchtungen aufgeschlossen.
| Sorten | Gesamtfläche | |
| Apfel | Delbard Estivale, Elstar, Rubinette, Jonagold-Gruppe, Pinova, Golden Del., Cameo, Braeburn, Fuji und Kanzi | ca. 1.480 ha |
| Birnen | Conference, Alexander Lucas, Williams Christ | ca. 170 ha |
| Zwetschen | Katinka, Cacaks Schöne, Cacaks Beste, Hanita, President, Elena | ca. 60 ha |
| Kirschen | Regina, Kordia, Sweetheart, Oktavia u.v.a. | ca. 90 ha |
| Sauerkirschen | Überwiegend Schattenmorelle | ca. 60 ha |
Johannisbeeren |
Industrie: Ben Alder, Titania | ca. 460 ha |
| Frischmarkt: Jonkheer van Tets, Rotet, Rovada, Rolan u.a. | ca. 13 ha | |
| Erdbeeren | Clery, Darselect, Elsanta, Korona u.v.a | ca. 200 ha |
*) Deutlich an Bedeutung verloren haben ‘Gloster’ und ‘Cox Orange’, während ‘Gala’ und ‘Braeburn’ gewonnen haben. Im Kommen sind aber auch ganz neue Züchtungen wie ‘Topaz’, der hauptsächlich von ökologisch wirtschaftenden und direktvermarktenden Betrieben gepflanzt wird, aber auch ‘Rubens’ und ‘Kanzi’, die in sogenannten „Club“-Konzepten angebaut werden und somit nur noch bestimmten Obstbauern und Vermarktern zur Verfügung stehen. Darüber hinaus wird noch eine Vielzahl verschiedenster Apfelsorten ergänzt, die allerdings sowohl zeitlich als auch mengenmäßig begrenzt, nicht überall und ständig erhältlich sind.
In den bevölkerungsreicheren Einzugsgebieten um Stuttgart und Heilbronn verstärkt direkt über Hofläden, Wochenmarkt und Stände. Ca. 11.000-12.000 t Tafeläpfel werden aus der Region über die BayWa, dem Vertragsvermarkter der Württembergischen Obstgenossenschaft, vermarktet.
Versuchsarbeit wird über die Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg gewährleistet.
Für die praktische Versuchsarbeit unterhält die Lehranstalt in Heuchlingen ein Versuchsgut
mit über 30 ha Fläche. Hauptaugenmerk liegt auf der Sortensichtung im Bereich Beerenobst
(Erdbeere, Himbeere) und Baumobst (Zwetschgen, Apfel und Birne, Haselnuss) und der Kulturtechnik
wie Verfrühung im Erdbeeranbau, Bewässerung und Ausdünnung im Kernobst.
Die Beratung wird über die Landratsämter Heilbronn und Ludwigsburg gewährleistet.
Für die Region Öhringen wurde im Jahre 2004 ein Beratungsring gegründet.
Die Beratung
der genossenschaftlichen Betriebe erfolgt flächendeckend für die Neckarregion über
die Beratung der Württembergischen Obstgenossenschaft.
Kontakt:
Jochen Griebel
WOG Obstbauberatung
Berliner Str. 21
74613 Öhringen
Telefon: 07941 / 914413
Telefax: 07941 / 914430
E-Mail: Jochen.Griebel@wog-obst.de